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  <link>https://ratioblog.de</link>
  <copyright>(C) Michael Hohner</copyright>
  <ttl>1000</ttl>
  <description>Kritische Betrachtungen über Naturwissenschaften, Alternativmedizin, Alltagsmythen, Parawissenschaften und Wissenschaft in den Medien</description>
  <language>de-DE</language>
  <pubDate>Wed, 22 Apr 2026 10:55:25 +0200</pubDate>
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    <title>RatioBlog</title>
    <link>https://ratioblog.de</link>
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  <title>RatioBlog</title>
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  <link>https://ratioblog.de/entry/konrad-paul-liessmann-geisterstunde-die-praxis-der-unbildung</link>
  <title>Konrad Paul Liessmann: Geisterstunde - Die Praxis der Unbildung</title>
  <pubDate>Tue, 02 Aug 2016 07:30:12 +0200</pubDate>
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  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/liessmann_geisterstunde.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;


&lt;p&gt;Gelegentlich kaufe ich auch mal ein Buch, das etwas außerhalb meines sonstigen Interessensgebiets liegt. Auf Liessmanns „Geisterstunde” bin ich durch Zufall beim Stöbern gestoßen, und die Bewertungen waren recht gut. Die Bildungsreformen der letzten Jahre kamen alle nach meiner Schul- und Hochschulzeit, über letzteren habe ich über Bekannte auch nur gemischte Meinungen gehört. Das Buch erschien also als eine gute Gelegenheit, in dieses Thema tiefer einzusteigen.

&lt;p&gt;Liessmann steigt in das Thema mit einer umfassenden, wenn auch nicht konkreten Kritik an den PISA-Studien und den darauf folgenden Reformen der Bildungssysteme an Schulen. Diese Reaktionen erscheinen ihm als „Panik”. Das Ziel, Kinder früher an bestimmte Inhalte heranzuführen als bisher, bringt er auf den folgenden Punkt:

&lt;blockquote&gt;Die Mittelstandseltern drängen denn auch auf die Hyperqualifizierung ihrer Kinder: Englisch im Kindergarten, Chinesisch in der Vorschule, &lt;em&gt;computer literacy&lt;/em&gt; ab der Geburt […]&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Und zur Idee, eher Kompetenzen als Wissen zu vermitteln:
&lt;blockquote&gt;Natürlich wäre es charmant, sich Weltverbesserungskompetenz oder Beziehungsfähigkeit einmal als Reifeprüfungsfach vorzustellen, aber so wird es wohl nicht gemeint sein, denn Prüfungen wird es in dieser Schule ohnehin keine mehr geben.&lt;/blockquote&gt;&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;

&lt;p&gt;Eine Übertreibung mag gelegentlich ein passendes Stilmittel sein, um ein Argument auf die Spitze zu treiben. Wenn sich aber eine Übertreibung an die nächste reiht, ohne viel Inhalt dazwischen, dann gleitet der Text in Richtung unglaubwürdig ab.

&lt;p&gt;Dass überhaupt länderübergreifende Studien und Vergleiche zur Bildungspolitik und deren Resultate stattfinden, ist Liessmann offenbar auch nicht genehm:

&lt;blockquote&gt;[…] herrschende Ideologie empirischer Überprüfbarkeit bildungspolitischer Erfordernisse […]&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Der Begriff der „Ideologie” ist hier völlig fehl am Platz. Ein Merkmal von Ideologien ist es ja gerade, dass sie sich einer empirischen Überprüfung zu entziehen versuchen, dass die Ideen kategorisch als richtig bezeichnet werden. Wer fordert, dass sich Behauptungen an der Realität messen lassen müssen, wird schnell als „Verräter an der Sache” bezeichnet. Die Forderung nach Überprüfbarkeit ist also im Gegenteil ein Mittel, um Ideologien zu verhindern oder aufzudecken. „Ideologie empirischer Überprüfbarkeit” ist ein Oxymoron. Liessmann kann also bestenfalls beklagen, dass die Experten ihre eigenen Forderungen nicht erfüllen, aber nicht, dass ihre Forderungen eine Ideologie sind. Das ist nur eine von vielen Stellen, wo sich Liessmann in Rage geschrieben hat und prompt über das Ziel hinausschießt.

&lt;p&gt;Auch an den prominenten Akteuren der Diskussion lässt Liessmann kaum ein gutes Haar:

&lt;blockquote&gt;In Deutschland sind es ein erfolgreicher philosophischer Autor […], sowie ein selbsternannter Hirnforscher […]. In Österreich […] &amp;ndash; so die Selbstauskunft &amp;ndash; ein „Unternehmensberater, Bestsellerautor und kritischer Vordenker”.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;… also alles keine wirklichen Experten, schreibt der österreichische philosophische Autor und Publizist, der anscheinend ebenfalls keine wissenschaftliche Arbeit im Themenkreis der Bildungspolitik veröffentlicht hat. Warum man seiner Ansicht, dass die reformierten Bildungssysteme die denkbar schlechtesten sind, eher folgen sollte als der der genannten „Experten”, die angeblich das gleiche von den Systemen vor den Reformen behaupten, bleibt offen.

&lt;p&gt;Dieser Stil zieht sich über die ersten 45 Seiten und bis zum 3. Kapitel durch. Als Leser nimmt man hier nur mit, dass PISA irgendwie schlecht ist und dass gefühlt die Bildung den Bach runter geht. Zwischen den Zeilen schimmert ein „früher war alles besser” durch. Aber was sind ganz konkret die Kritikpunkte? Was ist eine wenigstens potentielle Lösung? Wodurch begründet sich, dass diese Lösungen wirklich funktionieren können (wieder diese empirische Überprüfbarkeit…)? Und gibt es denn wirklich eine Krise? Man erfährt es nicht. Das Buch trägt zwar den Untertitel „Eine Streitschrift”, aber etwas mehr als einen länglichen Rant hätte ich schon erwartet.

&lt;p&gt;Wer bis dahin das Buch noch nicht frustriert zur Seite gelegt hat, erfährt endlich in den nächsten Kapiteln mehr. Liessmann stößt sich daran, dass in der Schule „Kompetenzen” erlernt werden. Ziel von Bildung ist also nicht mehr, dass man etwas weiß, sondern dass man etwas kann, angeblich getrieben von ökonomischen Zwängen. Die verschiedenen Arten von Kompetenzen sind durchaus blumig beschrieben, und was die konkreten Inhalte sein sollen, erschließt sich einem nicht recht. Während man diese Kritik durchaus nachvollziehen kann, ist Liessmann selbst darin inkonsequent. Denn angeblich sind Schüler und Studenten zunehmend inkompetent und unfähig, selbstverantwortlich zu leben, und werden stattdessen durch Berater bevormundet. Sollte er da nicht gerade das Erlernen von Kompetenzen fordern? Denn

&lt;blockquote&gt;Niemand kann für alle Bereiche, die sein Leben betreffen, gleichermaßen sicheres Wissen erwerben, fundierte Urteile bilden und souveräne Entscheidungen fällen.&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Oh, wie wortreich er hier den Begriff „kompetent sein” vermieden hat. Das, worauf er das halbe Buch lang eindrischt, ist die exakt passende Bezeichnung dessen, &lt;del&gt;was&lt;/del&gt;&lt;ins&gt;dessen Fehlen&lt;/ins&gt; er hier bedauert.

&lt;p&gt;Fehlen darf natürlich auch nicht die übliche Klage aller Kulturpessimisten: „keiner liest mehr ein Buch”. Die kurzen Textschnipsel von Twitter und Co. sind für ihn ein Zeichen, dass es mit der Schreib- und Lesefähigkeit der Bevölkerung abwärts geht. Dass Twitter nie als Buchersatz gedacht war, so wie früher z.B. die Kleinanzeigen in Zeitungen auch kein Buchersatz sein sollten, muss man wohl nicht erwähnen. Die Existenz von E-Books akzeptiert er zähneknirschend. Aber natürlich sind das keine „echten” Bücher, denn zu denen gehört angeblich dringend ein Schriftsatz, und dass man sie ins Regal stellen kann und später vielleicht in einem Karton auf dem Dachboden verschwinden lassen kann (aber merkwürdigerweise nicht, dass sie von Mönchen auf Schweinsleder mit Tinte und Feder handkopiert wurden, also etwas, mit dem auch Liessmann nicht mehr aufgewachsen ist). Ohne ein Buch aus Papier kann man laut Liessmann „nie richtig Lesen lernen” und keine Leselust entwickeln. Das Beste, was er über E-Books sagt, ist dass man damit wenigstens keine Ausrede mehr hat, nicht alle Klassiker zu kaufen und zu lesen. Zugegeben, ich lese auch lieber gedruckte Bücher. Aber im Gegensatz zu Liessmann sehe ich das als lediglich meine persönliche Präferenz und Gewohnheit. Ich würde nie behaupten, dass ein E-Book kein richtiges Buch wäre, das man nicht „wirklich” lesen kann. Ein Text wird durch den Inhalt und die innere Struktur zum Buch, nicht durch seine physische Repräsentation.

&lt;blockquote&gt;Warum ist jemand, der Angst vor dem Zerfall einer Sprachkultur hat, im Unrecht?&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Man möchte hier zurückfragen „… und warum sollte er im Recht sein?”

&lt;p&gt;Die Vorstellung einer virtuellen Hochschule ist Liessmann ein Graus, dass also die Studenten einer solchen Hochschule in kein bestimmtes Gebäude mehr gehen, Vorlesungen online verfolgen und Prüfungen über das Internet ablegen, nicht mehr in Bibliotheken zwischen Bücherregalen sitzen. Dass so etwas im Grunde seit hundert Jahren bereits existiert, nämlich in Form von Fernuniversitäten, bei denen lediglich das Medium ein anderes ist, erwähnt er mit keiner Silbe.

&lt;p&gt;Zustimmen muss man Liessmann, zumindest teilweise, wenn er auf den zunehmenden Druck in den Hochschulen hinweist, die praktische Verwertbarkeit einer Forschung permanent nachweisen zu müssen, der ständigen Jagd nach Drittmitteln, die eine freie Forschung gefährdet. Leider driftet er auch hier wieder in maßlose Übertreibungen ab:

&lt;blockquote&gt;Gegenwärtig hat nur Wert, was materiell unmittelbar verwertbar ist […]&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Das kann nicht unwidersprochen stehen bleiben. Gerade in der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung wird viel Geld ausgegeben (und der Forschung damit ein Wert zuerkannt), obwohl selbst eine mittelbare wirtschaftliche Verwertbarkeit entweder nicht abzusehen ist oder so weit in der Zukunft liegt, dass man diese Investitionen in die Forschung nicht mit einem irgendwann mal denkbaren Profit aufrechnen kann.

&lt;p&gt;Am Ende bleibt ein zwiespältiger Eindruck vom Buch. Es ist wie eine Frucht, die irgendwo einen wahren Kern haben mag, aber das Fruchtfleisch schmeckt komisch und ist stellenweise faul. Der Schlusssatz lautet „Anders ist besser”. Nun, viel mehr nimmt man von diesem Buch auch nicht mit.

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Konrad Paul Liessmann
Geisterstunde &amp;ndash; Die Praxis der Unbildung. Eine Streitschrift.
Paul Zsolnay Verlag
ISBN 978-3552057005
&lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/3552057005/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;</description>
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  <category>Bücher</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/skeptisches-woerterbuch-1-information</link>
  <title>Skeptisches Wörterbuch #1: Information</title>
  <pubDate>Thu, 07 Jul 2016 12:19:28 +0200</pubDate>
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  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/8/woerterbuch_l.png&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;p&gt;Der Begriff &lt;strong&gt;Information&lt;/strong&gt; wird oft und gerne von Kreationisten und deren modernen Neuaufguss, den Vertretern des &lt;em&gt;Intelligent Design&lt;/em&gt;, ge- und missbraucht. Eines deren Argumente gegen eine natürliche Evolution geht in etwa so:
&lt;blockquote&gt;Im Erbgut sind Informationen gespeichert. Die muss jemand hineingetan haben. Zufällige Mutationen können Informationen lediglich zerstören, aber keine neue Information erzeugen. Das kann nur eine Intelligenz.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Diese Behauptung kann man mit einem vereinfachten Beispiel überprüfen.&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt; Nehmen wir einmal an, unser Genom hat 10 Loci aus einem Alphabet aus 2 Symbolen&lt;sup&gt;&lt;a href=&#039;#xref1&#039;&gt;[1]&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;. Unser Beispielgenom vor einer Mutation sieht so aus:

&lt;pre&gt;
Gen: 0000000000
&lt;/pre&gt;
&lt;p&gt;
Es mag überraschen (aber dann vielleicht auch nicht), aber dieses Gen hat einen Informationsgehalt von 0 bit (denn &lt;math xmlns=&quot;http://www.w3.org/1998/Math/MathML&quot;&gt;
&lt;mrow&gt;
 &lt;mrow&gt;
  &lt;mi&gt;I&lt;/mi&gt;
  &lt;mo&gt;&amp;af;&lt;/mo&gt;
  &lt;mrow&gt;
   &lt;mo&gt;(&lt;/mo&gt;
   &lt;mi&gt;Gen&lt;/mi&gt;
   &lt;mo&gt;)&lt;/mo&gt;
  &lt;/mrow&gt;
 &lt;/mrow&gt;
 &lt;mo&gt;=&lt;/mo&gt;
 &lt;mn&gt;10&lt;/mn&gt;
 &lt;mo&gt;&amp;times;&lt;/mo&gt;
 &lt;mrow&gt;
  &lt;mo&gt;&amp;minus;&lt;/mo&gt;
  &lt;mi&gt;ld&lt;/mi&gt;
  &lt;mo&gt;&amp;af;&lt;/mo&gt;
  &lt;mfrac&gt;
   &lt;mn&gt;10&lt;/mn&gt;
   &lt;mn&gt;10&lt;/mn&gt;
  &lt;/mfrac&gt; 
 &lt;/mrow&gt;
 &lt;mo&gt;=&lt;/mo&gt;
 &lt;mn&gt;0&lt;/mn&gt;
&lt;/mrow&gt;&lt;/math&gt;&lt;sup&gt;&lt;a href=&#039;#xref2&#039;&gt;[2]&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;). Eigentlich könnte man jetzt schon aufhören, denn jede denkbare Mutation könnte den Informationsgehalt nicht mehr verringern (weniger als 0 geht nicht). Aber nehmen wir trotzdem an, dass an einer Stelle im Genom eine Mutation passiert, z.&amp;thinsp;B.
&lt;pre&gt;
Mut: 0000100000
&lt;/pre&gt;
&lt;p&gt;
Wenn wir den Informationsgehalt dieses mutierten Genoms neu berechnen, dann ergibt sich &lt;math xmlns=&quot;http://www.w3.org/1998/Math/MathML&quot;&gt;
&lt;mrow&gt;
 &lt;mrow&gt;
  &lt;mi&gt;I&lt;/mi&gt;
  &lt;mo&gt;&amp;af;&lt;/mo&gt;
  &lt;mrow&gt;
   &lt;mo&gt;(&lt;/mo&gt;
   &lt;mi&gt;Mut&lt;/mi&gt;
   &lt;mo&gt;)&lt;/mo&gt;
  &lt;/mrow&gt;
 &lt;/mrow&gt;
 &lt;mo&gt;=&lt;/mo&gt;
 &lt;mn&gt;9&lt;/mn&gt;
 &lt;mo&gt;&amp;times;&lt;/mo&gt;
 &lt;mrow&gt;
  &lt;mo&gt;&amp;minus;&lt;/mo&gt;
  &lt;mi&gt;ld&lt;/mi&gt;
  &lt;mo&gt;&amp;af;&lt;/mo&gt;
  &lt;mfrac&gt;
   &lt;mn&gt;9&lt;/mn&gt;
   &lt;mn&gt;10&lt;/mn&gt;
  &lt;/mfrac&gt; 
 &lt;/mrow&gt;
 &lt;mo&gt;+&lt;/mo&gt;
 &lt;mn&gt;1&lt;/mn&gt;
 &lt;mo&gt;&amp;times;&lt;/mo&gt;
 &lt;mrow&gt;
  &lt;mo&gt;&amp;minus;&lt;/mo&gt;
  &lt;mi&gt;ld&lt;/mi&gt;
  &lt;mo&gt;&amp;af;&lt;/mo&gt;
  &lt;mfrac&gt;
   &lt;mn&gt;1&lt;/mn&gt;
   &lt;mn&gt;10&lt;/mn&gt;
  &lt;/mfrac&gt; 
 &lt;/mrow&gt;
 &lt;mo&gt;&amp;approx;&lt;/mo&gt;
 &lt;mn&gt;4,69&lt;/mn&gt;
 &lt;mtext&gt;&amp;nbsp;bit&lt;/mtext&gt;
&lt;/mrow&gt;&lt;/math&gt;. Der Informationsgehalt ist also eindeutig gestiegen.
&lt;p&gt;
Als weiteres Beispiel kann man eine &lt;strong&gt;Genduplizierung&lt;/strong&gt; betrachten, etwas, das in der Natur ebenfalls vorkommt. Unser drittes Genom ist einfach das zweite Genom zweimal hintereinander:
&lt;pre&gt;
Dup: 00001000000000100000
&lt;/pre&gt;
&lt;p&gt;
Der Informationsgehalt dieses Genoms ist &lt;math xmlns=&quot;http://www.w3.org/1998/Math/MathML&quot;&gt;
&lt;mrow&gt;
 &lt;mrow&gt;
  &lt;mi&gt;I&lt;/mi&gt;
  &lt;mo&gt;&amp;af;&lt;/mo&gt;
  &lt;mrow&gt;
   &lt;mo&gt;(&lt;/mo&gt;
   &lt;mi&gt;Dup&lt;/mi&gt;
   &lt;mo&gt;)&lt;/mo&gt;
  &lt;/mrow&gt;
 &lt;/mrow&gt;
 &lt;mo&gt;=&lt;/mo&gt;
 &lt;mn&gt;18&lt;/mn&gt;
 &lt;mo&gt;&amp;times;&lt;/mo&gt;
 &lt;mrow&gt;
  &lt;mo&gt;&amp;minus;&lt;/mo&gt;
  &lt;mi&gt;ld&lt;/mi&gt;
  &lt;mo&gt;&amp;af;&lt;/mo&gt;
  &lt;mfrac&gt;
   &lt;mn&gt;18&lt;/mn&gt;
   &lt;mn&gt;20&lt;/mn&gt;
  &lt;/mfrac&gt; 
 &lt;/mrow&gt;
 &lt;mo&gt;+&lt;/mo&gt;
 &lt;mn&gt;2&lt;/mn&gt;
 &lt;mo&gt;&amp;times;&lt;/mo&gt;
 &lt;mrow&gt;
  &lt;mo&gt;&amp;minus;&lt;/mo&gt;
  &lt;mi&gt;ld&lt;/mi&gt;
  &lt;mo&gt;&amp;af;&lt;/mo&gt;
  &lt;mfrac&gt;
   &lt;mn&gt;2&lt;/mn&gt;
   &lt;mn&gt;20&lt;/mn&gt;
  &lt;/mfrac&gt; 
 &lt;/mrow&gt;
 &lt;mo&gt;&amp;approx;&lt;/mo&gt;
 &lt;mn&gt;9,37&lt;/mn&gt;
 &lt;mtext&gt;&amp;nbsp;bit&lt;/mtext&gt;
&lt;/mrow&gt;&lt;/math&gt;. Wieder ist der Informationsgehalt gestiegen.
&lt;p&gt;
So einfach kann man zeigen, dass zwei in der Natur zu beobachtende Zufallsereignisse (Punktmutation, Genduplikation) durchaus den Informationsgehalt eines Genoms erhöhen können, etwas, das unmöglich sein soll.
&lt;p&gt;
Natürlich können Mutationen den Informationsgehalt auch reduzieren. Gäbe es ausschließlich Mutationen, würden sich die Erhöhungen und Reduzierungen des Informationsgehalts im Mittel ausgleichen. Aber es sind eben nicht nur rein zufällige Mutationen, die auf ein Genom wirken. Mutation ist lediglich ein Mechanismus, der für eine Variation im Genom einer Spezies sorgt. Welche Variationen sich in einer Population etablieren, ist das Ergebnis von &lt;strong&gt;Selektion&lt;/strong&gt; und &lt;strong&gt;Vererbung&lt;/strong&gt;, und die sind wiederum kein Zufall.
&lt;p&gt;
Irgendwann haben auch ein paar Kreationisten gemerkt, dass es so etwas wie eine Informationstheorie gibt, mit deren Informationsbegriff ihre Behauptungen nicht haltbar sind. Sie haben dann den Begriff der „spezifizierten Information” erfunden. Dieser soll ausdrücken, dass die Information mehr als nur der nicht-redundante Anteil am Genom sein soll, dass damit ein „Zweck” oder eine „Bedeutung” verknüpft sein soll. Der Begriff ist aber nicht wohldefiniert, diese Art von „Information” lässt sich nicht einmal quantifizieren. Sie setzt auch eine Absicht des „Spezifizierers” voraus, also etwas, dessen Existenz durch das Vorhandensein der Information erst belegt werden soll. So haben die Verfechter des &lt;em&gt;Intelligent Design&lt;/em&gt; eine falsche Behauptung hinter sich gelassen und durch einen astreinen &lt;a href=&quot;/entry/fehlschluss-16-kreisfoermiges-argument&quot;&gt;Zirkelschluss&lt;/a&gt; ersetzt.
&lt;hr&gt;
&lt;p&gt;In der &lt;strong&gt;Homöopathie&lt;/strong&gt; und anderer &lt;strong&gt;Wasseresoterik&lt;/strong&gt; (Wasser„belebung” u.&amp;thinsp;ä.) wird ebenfalls gerne der Begriff der &lt;strong&gt;Information&lt;/strong&gt; verwendet. In der Homöopathie sollen sich „Informationen” der Urtinktur bei der Verdünnung auf das Wasser übertragen, und bei der Wasserbelebung soll das Ergebnis „informiertes Wasser” sein (was auch immer das bedeuten mag; man lässt sich nicht zu konkreteren Aussagen hinreißen…).
&lt;p&gt;Das Problem hier ist, dass Information zur Übertragung und Speicherung ein Medium braucht. Ist die Übertragung gestört, oder ist die Speicherung instabil, dann geht die Information verloren. Information ist nichts, was für sich alleine existieren kann. Leider ist Wasser völlig ungeeignet für die Speicherung von Information. Flüssiges Wasser geht so flüchtige Strukturen ein&lt;sup&gt;&lt;a href=&#039;#xref3&#039;&gt;[3]&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;, dass nach wenigen Billionstel Sekunden jede möglichweise gespeicherte Information wieder im Rauschen verschwunden ist.
&lt;hr&gt;
Information ist eine sehr abstrakte Eigenschaft von Materie. Sie sagt auch wenig darüber aus, wie diese Materie mit anderer Materie wechselwirkt. Insofern ist auch wenig sinnvoll, von „krankmachender Information” oder „heilender Information” zu sprechen, wie es bei mancher esoterisch angehauchten &lt;strong&gt;Pseudomedizin&lt;/strong&gt; üblich ist. Nicht die möglichweise enthaltene Information heilt oder macht krank, sondern die physikalische und chemische Interaktion der Materie. 
&lt;hr&gt;
&lt;ol class=references&gt;
&lt;li&gt;&lt;a name=&#039;xref1&#039;&gt;Ein richtiges Genom hat natürlich Milliarden Loci aus einem Alphabet aus 4 Symbolen, aber so kann man einfacher rechnen.&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;a name=&#039;xref2&#039;&gt;Das ist die Formel für den Informationsgehalt, unter der Annahme, dass die Stellen statistisch unabhängig voneinander sind. Bei einem echten Genom dürfte das nicht der Fall sein, was aber wieder im Prinzip keinen Unterschied macht.&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;a name=&#039;xref3&#039;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.nature.com/nature/journal/v434/n7030/abs/nature03383.html&quot; class=&quot;external&quot; rel=&quot;external&quot;&gt;Ultrafast memory loss and energy redistribution in the hydrogen bond network of liquid H&lt;sub&gt;2&lt;/sub&gt;O.&lt;/a&gt;
M. L. Cowan, B. D. Bruner, N. Huse, J. R. Dwyer, B. Chugh, E. T. J. Nibbering, T. Elsaesser and R. J. D. Miller; Nature 434, 199-202 (10 March 2005); doi:10.1038/nature03383&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/skeptisches-woerterbuch-1-information#comments</comments>
  <category>Esoterik</category>
  <category>Grundlagen</category>
  <category>Kreationismus</category>
  <category>Wörterbuch</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/ich-habe-mail-4-kopp-verlag</link>
  <title>Ich habe Mail (4)</title>
  <pubDate>Fri, 15 Apr 2016 19:36:49 +0200</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>ich-habe-mail-4-kopp-verlag</guid>
  <description>&lt;p&gt;Ha, ha, ha, ha, ha…
&lt;blockquote&gt;Sehr geehrter Herr Hohner,
&lt;p&gt;
bei unseren routinemäßigen Suchen nach neuen Partnern für unser Partnerprogramm ist uns Ihre Seite aufgefallen. 
&lt;p&gt;
Besonders die Themen, sowie die Interessen Ihrer Leser und Kunden, passen zu unserem Geschäftsmodell. 
Wir sind uns sicher, dass Sie von unserer Partnerschaft profitieren würden, da wir Ihnen für jedes durch Sie verkaufte Produkt, 20 % Provision gutschreiben.
&lt;p&gt;
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&lt;p&gt;
Sehr gerne würde ich Ihnen das Partnerprogramm ein wenig näher erklären, generelle Informationen dazu finden Sie hier: Partnerprogramm.
&lt;p&gt;
Falls Sie Fragen dazu haben, bin ich gerne für Sie erreichbar.
&lt;p&gt;
Mit freundlichen Grüßen
&lt;br&gt;xxx&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Ha, ha, ha, hust, hust, Idioten, hust, ha, ha…</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/ich-habe-mail-4-kopp-verlag#comments</comments>
  <category>braune Esoterik</category>
  <category>Bücher</category>
  <category>Verschwörungstheorien</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/buechernachlese-2015</link>
  <title>Büchernachlese 2015</title>
  <pubDate>Mon, 28 Dec 2015 10:46:06 +0100</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>buechernachlese-2015</guid>
  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/quatember_statistischer_unsinn.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Andreas Quatember: Statistischer Unsinn&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Ein weiteres Buch zum Thema „Statistiken und wie sie falsch dargestellt und interpretiert werden”. Quatember, Professor am Institut für Angewandte Statistik (IFAS) der Johannes Kepler Universität Linz sammelte jahrelang „Highlights” aus der Presse und erläutert, was die Probleme damit sind. Mathematisch ist der Text sehr einfach gehalten und sicher für alle verständlich.
&lt;p&gt;Es gibt unvermeidliche Überschneidungen mit dem Buch &lt;em&gt;Lügen mit Zahlen&lt;/em&gt; von Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff (siehe die Nachlese vom letzten Jahr). Die Schwerpunkte liegen jedoch bei beiden Büchern etwas anders, so dass sie sich durchaus gut ergänzen.

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Andreas Quatember
Statistischer Unsinn &amp;ndash; Wenn Medien an der Prozenthürde scheitern
Springer Spektrum
ISBN 978-3-662-45334-6
&lt;a href=&#039;https://www.amazon.de/gp/product/3662453347/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;
&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;
&lt;hr&gt;

&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/ernst_scientist_in_wonderland.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Edzard Ernst: A Scientist in Wonderland&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Edzard Ernst stellte in diesem Jahr seine angekündigte Autobiographie vor. Er beschreibt darin seine frühen Jahre, seinen Aufenthalt in der Schlangengrube an der Universität Wien, und vor allem seine letzte Station an der Universität von Exeter. Dort wollte er die verschiedenen Methoden der Alternativmedizin systematisch auf ihre nachgewiesene Wirksamkeit untersuchen. Als sich dann immer wieder herausstellte, dass an diesen Methoden wenig bis nichts dran ist, wurden seine Kollegen und Vorgesetzten schnell unstimmig und gruben Ernst nach und nach das Wasser ab. Erstaunlich offen gab man auch zu, an der Wahrheit gar nicht so sehr interessiert zu sein. Und schließlich geriet er dann auch noch mit Prince Charles aneinander, selbst eifriger Verfechter und Anbieter von Alternativmedizin.

&lt;p&gt;Das Buch gibt es mittlerweile auch in deutscher Übersetzung mit dem unsäglichen Titel &lt;em&gt;Nazis, Nadeln und Intrigen&lt;/em&gt; (Nazis und Nadeln kommen nur als Randnotiz vor, aber was tut man als Verlag nicht alles für eine Alliteration und Sensationsheisch).

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Edzard Ernst
A Scientist in Wonderland &amp;ndash; A Memoir of Searching for Truth and Finding Trouble
Imprint Academic
ISBN 978-1845-407773
&lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/1845407776&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Deutsche Ausgabe:&lt;/p&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Edzard Ernst
Nazis, Nadeln und Intrigen &amp;ndash; Erinnerungen eines Skeptikers
JMB Verlag
ISBN 978-3944342566
&lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/Nazis-Nadeln-Intrigen-Erinnerungen-Skeptikers/dp/3944342569/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;hr&gt;

&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/soul_fallacy.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Julien Musolino: The Soul Fallacy&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Menschen haben eine Seele. Sie ist nichtmateriell, nichtphysikalisch, ist unabhängig vom Körper, unsterblich (d.&amp;nbsp;h. kann im Jenseits weiterleben), und ist die Quelle des freien Willen, des Bewusstseins, von Gefühlen und Persönlichkeit. So versteht eine große Mehrheit der US-Amerikaner den Begriff „Seele”, und auch ein großer Teil der Europäer hat diese Vorstellung. In der Psychologie und den Neurowissenschaften sieht das anders aus. Dort glaubt, von ein paar Ausnahmen abgesehen, niemand an diese Form von Seele. Dort herrscht die Ansicht vor, dass das, was die Allgemeinheit der Seele zuschreibt, lediglich ein Ausdruck der Tätigkeiten unseres Gehirns ist. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz zwischen populärer Meinung und Konsens unter Fachleuten? Was sind die Argumente für eine Seele im ersten Sinn, und was deutet eher auf eine Seele im zweiten Sinn hin?
&lt;p&gt;
Um es gleich zu verraten: Die Argumente der „neuen Dualisten” vom Schlage eines Dinesh D&#039;Souza und Deepak Chopra sind schwach. Es läuft immer auf eine Seele als Lückenbüßer-Erklärung hinaus („man weiß nicht, wie das Gehirn ein Bewusstsein produziert, also gibt es eine Seele”), die 
letztlich aber auch keine Erklärungskraft hat. Auch die bekannten Erzählungen von Nahtoderlebnissen und das starke subjektive Empfinden, dass da mehr sein soll als ein Gehirn, überzeugen bei kritischer Betrachtung wenig.
&lt;p&gt;Musolino beantwortet auch die Frage, ob es überhaupt relevant ist, ob man an eine Seele der ersten Art glaubt oder nicht. Die Antwort kann über die Position entscheiden in den kontroversen Debatten über Abtreibungen und Sterbehilfe.
&lt;p&gt;
Das Buch plädiert dafür, den romantischen Glauben an eine Seele fallen zu lassen, auch wenn es schwer fällt. Und macht klar, dass das keinen Verlust darstellt. Wir verlieren kein Bisschen unserer Menschlichkeit, wenn nur unser Gehirn das ist, was uns ausmacht, und es darüber hinaus nichts gibt.

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Julien Musolino
The Soul Fallacy &amp;ndash; What Science Shows We Gain from Letting Go of Our Soul Beliefs
Prometheus Books
ISBN 978-1-61614-962-8
&lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/1616149620&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;hr&gt;

&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/erleuchtung_gefaellig.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Bernd Kramer: Erleuchtung gefällig? Ein esoterischer Selbstversuch&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der Journalist Bernd Kramer hat im Bekanntenkreis einige Personen, die leicht esoterisch angehaucht sind. Er selbst versteht nicht recht, was daran so toll sein soll. Deshalb macht er einfach den Selbstversuch. Er ruft bei diversen Wahrsage- (äh, „Lebensberatungs”-) Hotlines an und nimmt an Sitzungen einer Reinkarnations-Therapeutin teil. Angeregt durch schnelle Erfolge steigt er selbst als Anbieter ein. Dafür sind beim Portal von &lt;a href=&#039;https://www.psiram.com/ge/index.php/Questico&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Questico&lt;/a&gt; schließlich keinerlei Qualifikationen nötig. Auch nach dem Besuch einer Esoterikmesse gelingt ihm schnell der Wechsel auf die Seite der Aussteller, mit einer Heilbehandlung mit Hilfe eines „Transzendenzzapfens” (a.&amp;nbsp;k.&amp;nbsp;a. Weihnachtsschmuck).
&lt;p&gt;Kramer wechselt gelungen zwischen humorigen Schilderungen seiner Abenteuer und eher ernsten Hintergrundinformationen. Dabei ist erschreckend, wie einfach man in der Szene Erfolg haben kann, wenn man den Leuten nur schön verschwurbelt genau das erzählt, was sie sowieso hören wollen. Am Ende stoppt ihn nur sein eigenes Gewissen, das manche der Gestalten in der Szene offenbar nicht haben.
&lt;p&gt;Gelegentlich kommen Zweifel auf, wie genau Kramers Schilderungen seinen tatsächlichen Erlebnissen entsprechen, aber auszuschließen ist das nicht.

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Bernd Kramer
Erleuchtung gefällig? Ein esoterischer Selbstversuch
Ch. Links Verlag
ISBN 978-3861537175
&lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/3861537176&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;hr&gt;

&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/universe_from_nothing.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Lawrence M. Krauss: A Universe From Nothing&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Krauss liefert mit seinem (schon ein paar Jahre altem) Buch eine komprimierte Einführung in die moderne Kosmologie. Beinahe nebenbei zeigt er dabei auch Wege auf, wie aus dem „Nichts” das Universum entstanden sein könnte und beantwortet damit diese alte Frage. Dabei muss er natürlich das „Nichts” geeignet definieren. Das klingt zugegebenermaßen etwas konstruiert, also „Nichts” gerade so zu definieren, dass daraus etwas entstehen kann. Krauss&#039; religiöse Gegenspieler verwenden das natürlich als Angriffspunkt. Sie werfen der modernen Physik vor, dass aus „Nichts” auch nichts entstehen kann und glauben damit die Urknalltheorie widerlegen zu können. Dabei behaupten Sie aber gerade selbst, dass das Universum aus dem „Nichts” geschaffen wurde (nur mit Hilfe von Magie statt Physik), und sie können dabei auch keine bessere Definition von „Nichts” vorweisen.

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Lawrence M. Krauss
A Universe From Nothing
Simon + Schuster
ISBN 978-1-4711-1268-3
&lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/1471112683&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Deutsche Ausgabe:&lt;/p&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Lawrence M. Krauss
Ein Universum aus Nichts: … und warum da trotzdem etwas ist
Albrecht Knaus Verlag
ISBN 978-3813504682
&lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/Ein-Universum-aus-Nichts-trotzdem/dp/3813504689/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;hr&gt;

&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/dogmen-wahn.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Heinz-Werner Kubitza: Der Dogmenwahn&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Was machen eigentlich Theologen so den ganzen Tag, und warum wird Theologie eigentlich an Universitäten gelehrt?
&lt;p&gt;Der bekannte Religionskritiker Kubitza lässt kein gutes Haar an der universitären Theologie. Während z. B. die Gebiete der Bibelforschung durchaus anerkannte Methoden der Geschichtswissenschaften anwenden, werden deren Ergebnisse vom Kernfach der Theologie, der Dogmatik, großzügig ignoriert. So werden Konflikte zwischen überlieferten Vorstellungen und der heutigen Realität einfach uminterpretiert anstatt anzuerkennen, dass die Überlieferungen einfach falsch sein könnten. So werden Scheinprobleme geschaffen, damit sie mit Scheinlösungen überwunden werden können.
&lt;p&gt;In der Diskussion zum Thema Religionskritik ist das folgende Argument nicht selten: „Was ihr kritisiert und hinterfragt, das ist ja nur naiver Kinderglaube. Die &lt;em&gt;richtige&lt;/em&gt; Theologie ist ja viel ausgefeilter!”. Nach dem Lesen von Kubitzas Buch wird klar: Das einzige, was da ausgefeilter ist, sind die geistigen Verrenkungen und die Rationalisierungsstrategien. Am Ende landet man doch wieder beim Lückenbüßergott, bei „das muss man halt einfach glauben” oder dem persönlichen inneren Erleben als Begründung.
&lt;p&gt;Kubitza wird auch deutlich zum Status der Theologie als universitäre Lehre: Ein Fach, das ausdrücklich nicht ergebnisoffen ist, das konfessionell gespalten ist, das die Existenz seines Forschungsgegenstands nicht nachweisen kann, und das im Kern nicht-wissenschaftlich arbeitet gehört nicht an eine Hochschule. So etwas würde in keinem anderen Bereich akzeptiert. Die Ausbildung ihres Priesternachwuchses sollten die Kirchen selbst durchführen und bezahlen, und zwar außerhalb des Hochschulbetriebs.

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Heinz-Werner Kubitza
Der Dogmenwahn &amp;ndash; Scheinprobleme der Theologie &amp;ndash; Holzwege einer angemaßten Wissenschaft
Tectum
ISBN 978-3-8288-3500-9
&lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/3828835007&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;hr&gt;

&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/stuff_matters.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Mark Miodownik: Stuff Matters&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Alles im Universum besteht auch den gleichen Elementarteilchen, im Wesentlichen Protonen, Neutronen und Elektronen. Und doch lassen die sich so vielfältig kombinieren, dass Milliarden höchst unterschiedliche Stoffe entstehen.
&lt;p&gt;Miodownik gibt einen interessanten Einblick in die Materialwissenschaften anhand einer Szene, wie er auf seiner Terrasse sitzt und eine Tasse Tee mit Schokolade genießt. Wieso schmeckt Schokolade wie sie schmeckt? Warum ist Glas durchsichtig? Warum ist Metall gleichzeitig fest und biegsam? Wie kommt es zu den vielen verschiedenen Formen von Papier? Was ist das Besondere an Kunststoffen, Graphit, Porzellan, Beton?
&lt;p&gt;
Eine eher im Schatten stehende Wissenschaft wird ins Rampenlicht gerückt.

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Mark Miodownik
Stuff Matters &amp;ndash; Exploring the Marvelous Materials That Shape Our Man-Made World
Mariner Books
ISBN 978-0544483941
&lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/0544483944/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/buechernachlese-2015#comments</comments>
  <category>Alternativmedizin</category>
  <category>Bücher</category>
  <category>Esoterik</category>
  <category>Mathematik</category>
  <category>Physik</category>
  <category>Religion</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/wieder-pseudowissenschaften-bei-der-nacht-der-wissenschaften</link>
  <title>Wieder Pseudowissenschaften bei der Nacht der Wissenschaften</title>
  <pubDate>Tue, 13 Oct 2015 13:14:27 +0200</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>wieder-pseudowissenschaften-bei-der-nacht-der-wissenschaften</guid>
  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/8/ndw2015.png&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;p&gt;Schon wieder haben sich Pseudowissenschaften bei der Langen Nacht der Wissenschaften 2015 in Nürnberg/Fürth/Erlangen &lt;a href=&#039;http://www.nacht-der-wissenschaften.de/2015/programm/nach-touren/detailansicht-veranstalter/technische-hochschule-nuernberg-standort-kesslerplatz/nlp-netzwerk-bayern/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;eingeschlichen&lt;/a&gt;. Und im Gegensatz zu 2011 sind sie jetzt sogar bei einer richtigen Hochschule zu Gast.
&lt;p&gt;&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;
Zur Erinnerung: 2011 habe ich bereits die &lt;a href=&quot;/entry/pseudowissenschaft-bei-der-langen-nacht-der-wissenschaften&quot;&gt;Propagierung von NLP und Edu-Kinestetik an dieser Veranstaltung kritisiert&lt;/a&gt;. Pseudowissenschaften nutzen den Fahrtwind der echten Wissenschaften, um sich öffentlich darzustellen, sich einen wissenschaftlicheren Anstrich zu geben und ihren Unsinn auf einer angesehenen Bühne zu verbreiten.&lt;sup&gt;&lt;a href=&#039;#xref1&#039;&gt;[1]&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Damals war die NLP noch Thema in einer Kultureinrichtung. Diesmal hat das &amp;bdquo;NLP Netzwerk Bayern&amp;rdquo; es geschafft, sich bei einer echten Hochschule (Technische Hochschule Nürnberg) einzunisten. Man wird offensichtlich erfolgreicher damit, sich an die echten Wissenschaften ranzuwanzen. Aber anders als die NLP-Verfechter vollmundig behaupten (&amp;bdquo;&amp;hellip; wird durch die Erkenntnisse der Neurowissenschaften bestätigt&amp;rdquo;) ist NLP kein Thema in den seriösen Neurowissenschaften und Psychologie. Kritisiert wird vor allem der fehlende theoretische Unterbau, die dürftige Nachweislage und die Nähe zur Esoterik.
&lt;p&gt;
Auch das Programm ist so unoriginell wie vor 4 Jahren. NLP macht, wenn man nach den Veranstaltungstiteln geht, zu einem Geschichtenerzähler, schlank, zu einem erfolgreichen Verhandler und nicht zuletzt zu einem charismatischen Flirter. Dass derartige Versprechen aber völlig ohne Wirksamkeitsnachweise dastehen, wird wohl nicht erwähnt werden. Auch wenig überraschend ist, dass die Vorträge von Coaches, Heilpraktikern und ähnlichen Luftgitarrenspielern gehalten werden.
&lt;p&gt;
Auf meine Bitte um Stellungnahme hat die TH bis heute nicht reagiert.

&lt;hr&gt;
&lt;h2&gt;Weiterführendes Material:&lt;/h2&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;&lt;a href=&#039;https://www.gwup.org/images/stories/pdf/themen/nlp.pdf&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;GWUP Infoblatt NLP&lt;/a&gt;
&lt;li&gt;Scott O. Lilienfeld, Stephen Jay Lynn, John Ruscio, Barry L. Beyerstein: 50 Great Myths of Popular Psychology
&lt;li&gt;&lt;a href=&#039;https://www.psiram.com/ge/index.php/NLP&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;NLP auf Psiram&lt;/a&gt;
&lt;li&gt;&lt;a href=&#039;http://skeptoid.com/episodes/4155&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Skeptoid-Episode zu NLP (englisch)&lt;/a&gt;
&lt;li&gt;Uwe Peter Kanning: &lt;a href=&#039;http://www.gwup.org/inhalte/147-archiv-zeitschrift-skeptiker/1342-zeitschrift-skeptiker-03-2014&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Mythos NLP&lt;/a&gt;, Skeptiker 3/2014
&lt;/ul&gt;

&lt;hr&gt;
&lt;ol class=references&gt;
&lt;li&gt;&lt;a name=&#039;xref1&#039;&gt;Dass die Theologie als älteste der universitären Nicht-Wissenschaften selbstverständlich auch dabei ist, das muss man wohl nicht mehr erwähnen.&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;

</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/wieder-pseudowissenschaften-bei-der-nacht-der-wissenschaften#comments</comments>
  <category>Pseudowissenschaft</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-36-der-mehrdeutigkeitsfehlschluss</link>
  <title>Fehlschluss #36: Der Mehrdeutigkeitsfehlschluss</title>
  <pubDate>Sat, 22 Aug 2015 13:50:51 +0200</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>fehlschluss-36-der-mehrdeutigkeitsfehlschluss</guid>
  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/8/logik_collage.png&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;p&gt;
Dieser Fehlschluss entsteht, wenn ein Wort mit &lt;strong&gt;mehreren Bedeutungen&lt;/strong&gt; in einem Argument verwendet wird, und dabei von einer zur anderen Bedeutung gewechselt wird. Es kann dann sein, dass eine Prämisse für die eine Bedeutung zutrifft, aber für eine andere nicht, dass aber so getan wird, also ob das Wort nur in einer Bedeutung verwendet wird. Das Argument ist damit nicht mehr schlüssig, was aber nicht sofort auffällt.
&lt;p&gt;
Beispiel:
&lt;blockquote&gt;Wir haben alle einen Personalausweis. Aber Staaten haben kein Personal, sondern Bürger. Firmen haben Personal. Deshalb ist Deutschland kein Staat sondern eine Firma.&lt;/blockquote&gt;&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;
&lt;p&gt;
Hier wird von &amp;bdquo;personal&amp;rdquo; im Sinne von &amp;bdquo;persönlich&amp;rdquo; zu &amp;bdquo;Personal&amp;rdquo; im Sinne von &amp;bdquo;Beschäftigter in einer Firma&amp;rdquo; gewechselt. Die zwei Prämissen beziehen sich damit nicht auf einen, sondern auf zwei verschiedene Sachverhalte, und damit folgt aus diesen Prämissen nicht mehr zwingend die Schlussfolgerung.
&lt;p&gt;
Ein Kennzeichen dieses Fehlschlusses ist auch, dass er stark &lt;strong&gt;sprachabhängig&lt;/strong&gt; ist. Oft wird er offensichtlich, wenn man das Argument in eine andere Sprache übersetzt, nämlich dann, wenn man in der anderen Sprache für die unterschiedlichen Bedeutungen auch unterschiedliche Wörter verwenden muss, weil dort nicht die gleiche Mehrdeutigkeit des Ausgangswortes vorhanden ist. Im Englischen würde man im obigen Beispiel einmal &amp;bdquo;personal&amp;rdquo; und einmal &amp;bdquo;personnel&amp;rdquo; oder &amp;bdquo;employee&amp;rdquo; verwenden, und der Fehler wäre klar sichtbar.

&lt;p&gt;Weitere Beispiele:
&lt;blockquote&gt;Die Evolutionstheorie ist nicht bewiesen, denn sie ist ja nur eine Theorie. Deshalb ist die Schöpfungslehre eine gleichberechtigte Alternative.&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;
Hier wird &amp;bdquo;Theorie&amp;rdquo; einmal in der Alltagsbedeutung von &amp;bdquo;unbewiesene Idee&amp;rdquo; verwendet, dann aber bezogen auf die Evolutionstheorie, wo &amp;bdquo;Theorie&amp;rdquo; die Fachbedeutung &amp;bdquo;gut belegte Beschreibung von und Erklärung für beobachtete Tatsachen, und erfolgreiche Vorhersage für künftig beobachtbare Tatsachen&amp;rdquo; hat. Evolutionstheorie und Schöpfungslehre wären aber nur dann gleichberechtigt, wenn &amp;bdquo;Theorie&amp;rdquo; nur die erste Bedeutung hätte.

&lt;p&gt;Und nicht ganz erst gemeint:
&lt;blockquote&gt;Nichts ist besser als ewiges Glück. Butterbrot ist besser als nichts. Folglich ist Butterbrot besser als ewiges Glück.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Hier wird &amp;bdquo;nichts&amp;rdquo; in zwei leicht unterschiedlichen Bedeutungen verwendet (die herauszuarbeiten durchaus einige Sätze Platz beanspruchen würden), deshalb ist die Hierarchie &amp;bdquo;Butterbrot&amp;rdquo; &amp;gt; &amp;bdquo;nichts&amp;rdquo; &amp;gt; &amp;bdquo;ewiges Glück&amp;rdquo; so nicht begründbar.</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-36-der-mehrdeutigkeitsfehlschluss#comments</comments>
  <category>Fehlschlüsse</category>
  <category>Grundlagen</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/martin-lambeck-irrt-die-physik-buchkritik</link>
  <title>Martin Lambeck: Irrt die Physik?</title>
  <pubDate>Sun, 12 Jul 2015 10:24:43 +0200</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>martin-lambeck-irrt-die-physik-buchkritik</guid>
  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/irrt_die_physik.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Über alternative Medizin und Esoterik&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Martin Lambeck untersucht in seinem Buch diverse Behauptungen der Alternativmedizin und der Esoterik, und zwar aus Sicht des aktuellen Wissensstandes der Physik. Dazu gibt er zunächst einen Schnellabriss eben dieses Wissensstandes, gefolgt von einer Einführung in die wissenschaftliche Methode und aussagekräftige Testverfahren. Danach folgt der Kernsatz des Buches, das &amp;bdquo;Ketten-Argument&amp;rdquo;: Man kann ein behauptetes Phänomen so lange in Glieder einer Kette unterteilen, bis man ein oder mehrere Glieder gefunden hat, die rein mit physikalischer Betrachtungsweise untersucht werden können. Sollte sich herausstellen, dass dieses Kettenglied mit dem aktuellen Stand des Wissens nicht vereinbar ist, dann ist entweder diese Wirkungskette gerissen, oder die heutige Physik ist mindestens unvollständig, wenn nicht gar falsch.
&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;
&lt;p&gt;Das mag für einen Physiker ein starkes Argument sein. Wenn ich mich in die Sichtweise der Esoteriker versetze, dann ist das weit weniger überzeugend. Dem typischen Mitschwimmer dürfte es egal sein, ob ein Glied in der Argumentationskette mit der aktuellen Physik kompatibel ist oder nicht (&amp;bdquo;Bei mir funktioniert&#039;s&amp;rdquo;, &amp;bdquo;&amp;hellip; mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, &amp;hellip;&amp;rdquo;, usw.). Und für den &amp;bdquo;fortgeschrittenen&amp;rdquo; Esoteriker würde das auch kein schweres Problem darstellen, im Gegenteil. Er würde der Aussage &amp;bdquo;&amp;hellip; das würde bedeuten, dass die Physik mindestens unvollständig ist&amp;hellip;&amp;rdquo; wahrscheinlich enthusiastisch zustimmen. Diese Leute sehen sich nicht als Cranks, als Geisterfahrer der Wissenschaft. Sie sehen sich im Gegenteil als die &lt;a href=&#039;http://www.taz.de/!5091407/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Speerspitze der Aufklärung&lt;/a&gt;, als die zukünftigen Einsteins, die befreit von den Zwängen und &amp;bdquo;Dogmen&amp;rdquo; der etablierten Wissenschaft in ihren selbstgegründeten Instituten arbeiten und unsere Weltsicht einmal radikal umkrempeln werden. Für diese ist der Widerspruch zu den aktuellen Erkenntnissen nicht ein Problem ihrer Theorien sondern des Standes der Wissenschaft.
&lt;p&gt;Auch rein logisch ist das Argument kein starkes. Wenn man in der Kette der angeblichen Wirkungsweise dieser Phänomene ein fehlerhaftes Glied gefunden hat, dann macht das lediglich diese postulierte Wirkungskette fehlerhaft. Das beweist rein logisch noch nicht, dass das Phänomen auch nicht existiert.
Man kann sich deshalb nicht darauf beschränken, dass man den Mechanismus oder die Erklärung als falsch entlarvt. Man muss gar nicht so weit ins Detail gehen. Wie immer sollte man zuerst überprüfen, ob das behauptete Phänomen überhaupt existiert, bevor man sich um eine Erklärung des Phänomens kümmern muss. In diesem Punkt ist Lambeck leider sowohl inkonsequent, als auch viel zu zurückhaltend. Inkonsequent deshalb, weil er selbst in der Einführung diesen Standpunkt vertritt: Erst die Existenz des Phänomens nachweisen, sonst ist alles Spekulation. Und dennoch arbeitet er sich später an den Spekulationen ab statt einfach auf den fehlenden Existenznachweis zu deuten.
&lt;p&gt;
Es fehlt leider eine ausführlichere Darstellung von konkreten Überprüfungen der esoterischen Behauptungen. Nur beim Thema Wünschelrutengehen geht Lambeck etwas mehr ins Detail. Bei vielen anderen Themen belässt er es im Wesentlichen beim Hinweis auf die fehlerhafte Theorie. Wenn er sich von biologischen und psychologischen Aspekten der Alternativmedizin explizit fernhält, dann erweckt das den Eindruck, als gäbe es die vielen Untersuchungen der z.&amp;nbsp;B. Plazeboeffekte nicht. Wenn man ein Thema halbwegs rund behandeln will, dann genügt es nicht, darauf hinzuweisen, dass eine physikalische Erklärung wahrscheinlich falsch ist, sondern auch, dass die z.&amp;nbsp;B. psychologische Erklärung wahrscheinlich richtig ist.
&lt;p&gt;Auf diese Weise enttäuscht das Buch leider. Lambeck springt von Thema zu Thema, und man hat ständig den Eindruck, man hätte jetzt die Hälfte des Buchs gelesen, das man eigentlich lesen wollte, aber die zweite Hälfte fehlt. In den einführenden Kapiteln wird die Welt der Physik im Schweinsgalopp erklärt. Wer sich bereits in die Thematik eingelesen hat, für den sind diese Kapitel eigentlich überflüssig. Wer dagegen neu dabei ist, für den ist dieser Teil des Buchs eventuell nicht ausreichend, um Lambecks Standpunkt wirklich zu verstehen.

&lt;p&gt;Ebenso wirkt das Buch stellenweise angestaubt. Dies ist eine erweiterte Auflage von 2014, aber es wurde versäumt, halbwegs aktuelle Beispiele einzufügen. Stattdessen wird auf &amp;bdquo;jüngste&amp;rdquo; Ereignisse aus den 1970ern verwiesen. Die Chance einer echten Aktualisierung wurde vergeben.


&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Martin Lambeck
Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik
3. erweiterte Auflage
C. H. Beck
ISBN 978-3406670961
&lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/3406670962&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/martin-lambeck-irrt-die-physik-buchkritik#comments</comments>
  <category>Alternativmedizin</category>
  <category>Bücher</category>
  <category>Esoterik</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/ich-habe-mail-3</link>
  <title>Ich habe Mail (3)</title>
  <pubDate>Fri, 27 Feb 2015 07:44:35 +0100</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>ich-habe-mail-3</guid>
  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/8/oma009.png&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;p&gt;Ich habe wieder einmal Post bekommen:

&lt;blockquote&gt;Ich bin ein ganz normaler Bürger und habe mir mir mehr durch Zufall Ihre Beiträge und die Beiträge von Frau Anita Petek-Dimmer angehört. Ich habe dabei das ganz starke Gefühl bekommen(geprägt von jahrzehntelangen Erfahrungen im zwischenmenschlichen Bereich), dass Sie ein sehr unredlicher und gefährlicher Mensch sind, bei dem äußerste Vorsicht geboten ist. Ich bin froh darüber, dass ich Menschen Ihres Schlages in meinem näheren Umfeld nicht ertragen muß!&lt;p class=source&gt;(von einer offensichtlich falschen EMail-Adresse, soviel zum Thema Redlichkeit&amp;hellip;)&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;


&lt;p&gt;Er/Sie hat Recht: Wer mich persönlich kennt, weiß wie extrem gefährlich ich bin. Ich neige zu plötzlichen Ausbrüchen von Wahrheit. Da ist extremste Vorsicht geboten, wenn jemand kompletten Unsinn erzählt. Wenn z.&amp;thinsp;B. jemand mit &amp;bdquo;jahrzehntelangen Erfahrungen im zwischenmenschlichen Bereich&amp;rdquo;, also mit Kompetenz vergleichbar mit &amp;bdquo;jahrzehntelangen Erfahrungen im Ein- und Ausatmen&amp;rdquo;, vom Lehnstuhl aus nach 10 Minuten Lesen eine psychologische Ferndiagnose stellt. Da packt es mich, und in purer Raserei schreibe ich einen Blogartikel. Wenn es ganz schlimm kommt, zerknülle ich noch ein Papier (aber nur, wenn ich es sowieso wegwerfen will, ansonsten ist das zu schade dazu).</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/ich-habe-mail-3#comments</comments>
  <category>Nabelschau</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-35-das-argument-des-gesunden-menschenverstandes</link>
  <title>Fehlschluss #35: Das Argument des gesunden Menschenverstandes</title>
  <pubDate>Sun, 01 Feb 2015 19:26:05 +0100</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>fehlschluss-35-das-argument-des-gesunden-menschenverstandes</guid>
  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/8/logik_collage.png&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;p&gt;
Dieses Argument ist gerade wieder in einer EMail-Zuschrift sinngemäß aufgetaucht:

&lt;blockquote&gt;Der gesunde Menschenverstand sagt uns doch schon, dass dieses oder jenes so sein muss oder so nicht sein kann.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Hier wird zu einem einfacheren Denken aufgerufen. Ein Hinterfragen oder eine Analyse soll unterbleiben. Man soll sich stattdessen auf seine &lt;strong&gt;Intuition&lt;/strong&gt; verlassen.

&lt;p&gt;Diesem Argument liegt eine unausgesprochene Prämisse zugrunde, nämlich dass die Intuition verlässlichere Ergebnisse liefert als analytisches Denken. Ist diese Prämisse wahr?&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;

&lt;p&gt;Die wirkliche Welt ist kompliziert, und es scheint, sie wird umso komplizierter, je genauer man hinschaut. Gleichzeitig hat sich das menschliche Gehirn aber nicht dahin entwickelt, möglichst fehlerfrei die Wirklichkeit zu erkennen. Es hat sich stattdessen dahin entwickelt, um zu überleben. Ein Irrtum ist in der Evolution akzeptabel, solange er nicht zu einem reduzierten Überleben führt. Hier kann man das vielzitierte Beispiel des Rascheln im Gebüsch anführen. Das Rascheln könnte ein Jaguar sein, der sich gerade anschleicht, oder auch nur der Wind. Wenn man wegrennt und es war doch nur der Wind, dann hat man lediglich ein bisschen Energie verschwendet. Wenn man dagegen nicht wegrennt und es war ein Jaguar, dann entfernt man sich mit einiger Wahrscheinlichkeit aus dem Genpool. Die natürliche Auslese unterscheidet also nicht nach Wahrheit oder Irrtum, sondern nur nach dem Irrtum in der ungünstigen Richtung im Gegensatz zur Wahrheit und Irrtum in der Richtung ohne drastische Konsequenzen.

&lt;p&gt;So ist es dann auch wenig überraschend, dass sich im menschlichen Denken eine Menge &lt;strong&gt;kognitiver Fehlleistungen&lt;/strong&gt; etabliert haben. Es gibt einige Sachverhalte, die für Menschen ganz schlecht intuitiv korrekt erfasst werden. Wenn man z.B. &lt;strong&gt;rückgekoppelte Systeme&lt;/strong&gt; betrachtet, dann können Menschen diese nur mit großem Fehler abschätzen. Stellt man zum Beispiel Leuten die spontane Aufgabe &amp;bdquo;wenn man 1% Zinsen auf eine Einlage von 100 Euro bekommt, wie hoch ist das Guthaben nach 10 Jahren?&amp;rdquo;, dann wird man in der Regel eine Antwort bekommen, die weit von der richtigen Lösung entfernt ist. Ähnliches erlebt man mit umgekehrt &lt;strong&gt;exponentiellen Verläufen&lt;/strong&gt;, wie beispielsweise dem radioaktiven Zerfall: &amp;bdquo;Wenn die Halbwertszeit 1 Jahr ist, wieviel Material ist nach 10 Jahren noch vorhanden?&amp;rdquo; wird in der Regel falsch beantwortet.

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wahrscheinlichkeiten&lt;/strong&gt; können intuitiv ebenso schlecht abgeschätzt werden. Wir haben eine &lt;strong&gt;selektive Wahrnehmung&lt;/strong&gt;, die die Datengrundlage für unsere Intuition verzerrt. Unser &lt;strong&gt;Gedächtnis&lt;/strong&gt; ist hochgradig selektiv, lückenhaft und manipulierbar. Wir begehen leicht den &lt;strong&gt;Bestätigungsfehler&lt;/strong&gt;. Wir setzen &lt;strong&gt;Korrelation und Kausalität&lt;/strong&gt; vorschnell gleich. Wir haben Schwierigkeiten, uns lange Zeiträume und weite Entfernungen vorzustellen. Wir haben mit allem Probleme, was aus dem Rahmen unserer täglichen Erfahrung herausfällt.

&lt;p&gt;Gegen all diese Unzulänglichkeiten haben wir Krücken entwickelt, wie z.B. Mathematik, Statistik, Logik und auch Schrift (zur Unterstützung unseres mäßigen Gedächtnis). Diese Fähigkeiten sind uns nicht angeboren. Wir müssen sie lernen, und das Lernen und das spätere Anwenden ist Arbeit. Wir sind nicht als Statistiker geboren, wir haben lediglich die angeborene Fähigkeit, Statistik zu lernen. Das konsequente Anwenden dieser Hilfsmittel für unseren Geist und eine Reihe anderer Methoden ist letztlich nichts anderes als das, was wir als &lt;strong&gt;Wissenschaft&lt;/strong&gt; bezeichnen. Sie ist nicht fehlerfrei, aber doch recht erfolgreich, die Realität zuverlässig zu erfassen. Es mag andere, bessere Methoden geben, aber bisher haben wir noch keine bessere gefunden.

&lt;p&gt;Die Aufforderung, uns auf den &amp;bdquo;gesunden Menschenverstand&amp;rdquo; zu verlassen ist im Grunde die Aufforderung, die Krücken, die wir so dringen brauchen, wegzuwerfen und wieder nur mit unserer fehlerbehafteten Intuition durch die Welt zu humpeln. Intuition ist ein schönes Mittel, um neue Ideen zu generieren. Ob diese Ideen aber richtig oder falsch sind, das kann uns Intuition nicht zuverlässig beantworten. Dazu braucht man Wissenschaft.

&lt;blockquote&gt;Der gesunde Menschenverstand ist die Menge der Vorurteile, die wir bis zum Alter von 18 Jahren angesammelt haben.&lt;p class=source&gt;Albert Einstein (wahrscheinlich Falschzuschreibung)&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-35-das-argument-des-gesunden-menschenverstandes#comments</comments>
  <category>Fehlschlüsse</category>
  <category>Grundlagen</category>
  <category>Psychologie</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/buechernachlese-2014</link>
  <title>Büchernachlese 2014</title>
  <pubDate>Tue, 16 Dec 2014 08:03:03 +0100</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>buechernachlese-2014</guid>
  <description>&lt;p&gt;
Die folgenden Bücher habe ich 2014 gelesen und noch nicht in einer ausführlichen Besprechung vorgestellt. Die meisten davon sind erst kürzlich erschienen. Deswegen möchte ich diesen Büchern wenigstens mit einer Kurzbesprechung gerecht werden:

&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/bergmeier_kultur.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Rolf Bergmeier: Christlich-abendländische Kultur &amp;ndash; Eine Legende&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Eine weit verbreitete Ansicht ist, dass die kulturellen Errungenschaften der Antike durch das Christentum, insbesondere durch Klöster, über das Mittelalter hinwegtransportiert wurden, und dass gerade auch die Klöster als die wahren Geburtsstätten der Wissenschaften anzusehen sind. Demzufolge werden von der (meist konservativen) Politik gerne die &amp;bdquo;christlich-abendländische Kultur&amp;rdquo; und die &amp;bdquo;judeo-christlichen Werte&amp;rdquo; zitiert, meist um eine Gegenposition entweder zum Islam oder zu liberalen Standpunkten zu errichten.
&lt;p&gt;Nach dem Lesen des Buchs von Bergmeier wird klar, dass diese &amp;bdquo;christlich-abendländische Kultur&amp;rdquo; im Wesentlichen eine Falschzuschreibung ist. Vor und während dem Mittelalter wurden Texte, die für die Kirche keinen Nutzen darstellten, entweder direkt vernichtet oder das Material für neue Abschriften von religiösen Texten wiederverwendet. Säkulare Texte aus der Antike wurden vor allem im &lt;del&gt;Osmanischen&lt;/del&gt;&lt;ins&gt;Arabischen&lt;/ins&gt; Reich bewahrt und erst &lt;del&gt;während der Aufklärung&lt;/del&gt;&lt;ins&gt;zum Ende des Hochmittelalters und während der Renaissance&lt;/ins&gt; aus Spanien und dem nahen Osten nach Mitteleuropa re-importiert. Auch mit der Klosterwissenschaft ist es nicht weit her. Hildegard von Bingen, die Galionsfigur der Klostermedizin, hat im Grunde nichts zur modernen Medizin beigetragen. Das ist auch wenig überraschend, denn diese Klosterwissenschaften basierten eher auf theologischen Dogmen als auf Evidenz.
&lt;p&gt;Ein wertvoller Beitrag zur Kulturkampf-Debatte der letzten Jahre und ein wichtiges Argument gegen die dabei verbreitete Geschichtsklitterung.

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Rolf Bergmeier
Christlich-abendländische Kultur &amp;ndash; Eine Legende
Alibri Verlag
ISBN 978-3-86569-164-4
z.&amp;thinsp;B. bei &lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/3865691641/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;
&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;
&lt;hr&gt;
&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/bosbach_luegen_mit_zahlen.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Gerd Bosbach, Jens Jürgen Korff: Lügen mit Zahlen&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wir sind jeden Tag umgeben von Statistiken. Mit harten Zahlen soll gezeigt werden, wie die Gesundheitskosten steigen, wie gut oder schlecht unser Bildungssystem ist, wie sparsam oder auch nicht unsere Autos sind, usw. Bosbach und Korff zeigen, dass man dabei immer die Details anschauen muss, um zu sehen, ob eine Statistik wirklich das zeigt, was sie zeigen soll, oder ob da gar nichts dran ist. Wenn man z.&amp;thinsp;B. die bekannten Diagramme, die vor einer Kostenexplosion des Gesundheitssystems warnen, so korrigiert, dass die Y-Achse auch bei Null beginnt, und auch noch die allgemeine Preissteigerung herausrechnet, dann verpufft die Explosion geradezu.
&lt;p&gt;Locker und anschaulich geschrieben, und Mathematikkenntnisse jenseits der Grundrechenarten sind nicht nötig, um den Inhalt nachvollziehen zu können.
&lt;p&gt;Zu kritisieren ist (wie so oft) der reißerische Titel, der wohl eher vom Verlag als von den Autoren stammt. Die Autoren sind keinesfalls erklärte Feinde von Statistiken. Ohne Statistik wären wir in vielen wichtigen Entscheidungsfragen blind und nur auf Bauchgefühl angewiesen. Die Autoren sind Feinde von absichtlich oder unabsichtlich schlecht gemachten Statistiken, und Freunde von korrekten und aussagekräftigen Statistiken. Eine große Verschwörung vermuten Sie nicht, wie man es vom Untertitel vielleicht ableiten könnte.

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Gerd Bosbach, Jens Jürgen Korff
Lügen mit Zahlen
Heyne Verlag
ISBN 978-3-453-60248-9
z.&amp;thinsp;B. bei &lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/345360248X/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;hr&gt;
&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/bryson_1927.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Bill Bryson: One Summer: America 1927&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;1927 ist viel passiert, in Amerika und in der Rest der Welt. Der erste Weltkrieg ist noch nicht lange vorbei, die Luftfahrtindustrie geht mit großen Schritten voran und mündet &lt;del&gt;in der&lt;/del&gt;&lt;ins&gt;im&lt;/ins&gt; ersten Nonstop-&lt;del&gt;Atlantiküberquerung&lt;/del&gt;&lt;ins&gt;Flug von New York nach Paris&lt;/ins&gt; durch Lindbergh. Babe Ruth jagt einen Baseball-Rekord nach dem anderen. Wenig spektakuläre Verbrechen erzeugen spektakuläre Publicity in der Klatschpresse. Eine Flutkatastrophe in Mississippi verhilft Hoover zu seiner zukünftigen Präsidentschaft.
&lt;p&gt;Bill Bryson zeichnet die Entwicklungen gewohnt unterhaltsam nach und verknüpft die Stränge schließlich im Sommer 1927. Weite Strecken des Buches beschäftigen sich mit Babe Ruth und Baseball im Allgemeinen, und diese Passagen sind für viele Europäer so wie Baseball allgemein: langweilig. Deshalb Punktabzüge.

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Bill Bryson
One Summer: America 1927
Black Swan
ISBN 978-0-552-77940-1
z.&amp;thinsp;B. bei &lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/0552779407/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;Deutsche Ausgabe:
&lt;div class=bookinfo&gt;Bill Bryson
Sommer 1927
Goldmann Verlag
ISBN 978-3442301232
z.&amp;thinsp;B. bei &lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/Sommer-1927-Bill-Bryson/dp/3442301238/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;hr&gt;
&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/harrison_think.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Guy P. Harrison: Think. Why You Should Question Everything.&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Harrison hat eine Einführung in den wissenschaftlichen Skeptizismus geschrieben. Nach einem allgemeinen Teil, worin er erklärt, warum Skeptizismus wichtig ist, widmet er den großen Mittelteil einigen bekannten Themen.
&lt;p&gt;Das Buch könnte eines sein, das man allgemein empfehlen könnte, wenn es nur nicht so viele ermüdende Wiederholungen geben würde. Man ertappt sich ständig dabei, vom Lesen zum Überfliegen zu wechseln. Es wirkt streckenweise arg bemüht. Es wurden schon bessere Bücher dieser Kategorie geschrieben.

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Guy P. Harrison
Think. Why You Should Question Everything.
Prometheus Books
ISBN 978-1-61614-807-2
z.&amp;thinsp;B. bei &lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/1616148071/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;hr&gt;
&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/believing_bullshit.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Stephen Law: Believing Bullshit&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Stephen Law entlarvt in diesem Buch die üblichen Rhetoriktricks &amp;bdquo;das ist ein Mysterium&amp;rdquo;, &amp;bdquo;das passt aber genau!&amp;rdquo;, Totschlagargumente, &amp;bdquo;ich weiß das einfach&amp;rdquo;, Tiefgründelei usw.
&lt;p&gt;Schönes und kurzweiliges Buch, das sich von den üblichen Einführungen in Skeptizismus abhebt.

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/gs.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Stephen Law
Believing Bullshit
Prometheus Books
ISBN 978-1-61614-411-1
z.&amp;thinsp;B. bei &lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/1616144114/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;Deutsche Ausgabe:

&lt;div class=bookinfo&gt;Stephen Law
Glauben Sie nicht jeden Bullshit: wie Sie mentale Verführer durchschauen
Verlag Hans Huber
ISBN 978-3456851556
z.&amp;thinsp;B. bei &lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/Glauben-Sie-nicht-jeden-Bullshit/dp/3456851553/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;hr&gt;
&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/munroe_what_if.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Randall Munroe: What If?: Serious Scientific Answers to Absurd Hypothetical Questions&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Randall Munroe, Autor des &lt;a href=&#039;http://www.xkcd.com&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Nerd-Comic xkcd&lt;/a&gt;, bekommt von seinen Lesern ständig absonderliche Fragen, z.&amp;thinsp;B. &amp;bdquo;Was würde passieren, wenn man einen Baseball mit 90% der Lichtgeschwindigkeit wirft&amp;rdquo;, oder &amp;bdquo;Wie lange würde man überleben, wenn man im Abklingbecken eines Kernkraftwerkes schwimmen würde&amp;rdquo;. Munroe antwortet darauf mit aller Ernsthaftigkeit, und die Antworten sind nicht nur unterhaltsam, sondern öfter recht überraschend.
&lt;p&gt;Ein schönes Buch. Alle Kapitel sind unabhängig voneinander. Perfekt für alle, die Bücher selten am Stück lesen (können).

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Randall Munroe 
What If?: Serious Scientific Answers to Absurd Hypothetical Questions
Mariner Books
ISBN 978-0544456860
z.&amp;thinsp;B. bei &lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/0544456866/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;Deutsche Ausgabe:
&lt;div class=bookinfo&gt;Randall Munroe 
What if? Was wäre wenn?: Wirklich wissenschaftliche Antworten auf absurde hypothetische Fragen
Albrecht Knaus Verlag
ISBN 978-3813506525
z.&amp;thinsp;B. bei &lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/What-wäre-wenn-wissenschaftliche-hypothetische/dp/3813506525/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;hr&gt;
&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/1/singh_simpsons.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;h2&gt;Simon Singh: The Simpsons and Their Mathematical Secrets&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Unter den Autoren der Cartoon-Serie &amp;bdquo;Die Simpsons&amp;rdquo; befinden sich bemerkenswert viele Personen mit einem Hintergrund in der Mathematik und in Naturwissenschaften, nicht zuletzt David S. Cohen, Erfinder und Hauptautor der Serie. So ist es dann wenig überraschend, dass die Serie gespickt ist mit versteckten Hinweisen und mathematischen Rätseln und Witzen. In der Serie &amp;bdquo;Futurama&amp;rdquo; (vom gleichen Autorenteam) wird das Ganze noch eine Stufe weitergedreht.
&lt;p&gt;Simon Singh stellt die Autoren vor und erklärt den Hintergrund einiger der versteckten Ostereier. Nie langweilig, fügt Singh seinem bereits vielfältigen Werk eine weitere Facette hinzu.
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Für mich das Buch des Jahres 2014.&lt;/strong&gt;

&lt;p&gt;Wertung: &lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;&lt;img src=&#039;/images/ys.png&#039;&gt;
&lt;div class=bookinfo&gt;Simon Singh
The Simpsons and Their Mathematical Secrets
Bloomsbury
ISBN 978-1-4088-4373-4
z.&amp;thinsp;B. bei &lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/gp/product/1408843730/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;Deutsche Ausgabe:
&lt;div class=bookinfo&gt;Simon Singh
Homers letzter Satz: Die Simpsons und die Mathematik
Carl Hanser Verlag
ISBN 978-3446437715
z.&amp;thinsp;B. bei &lt;a href=&#039;http://www.amazon.de/Homers-letzter-Satz-Simpsons-Mathematik/dp/3446437711/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Amazon&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;
</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/buechernachlese-2014#comments</comments>
  <category>Bücher</category>
  <category>Geschichte</category>
  <category>Mathematik</category>
  <category>Skeptizismus</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-34-der-maskierte-mann</link>
  <title>Fehlschluss #34: Der maskierte Mann</title>
  <pubDate>Wed, 03 Sep 2014 08:24:11 +0200</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>fehlschluss-34-der-maskierte-mann</guid>
  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/8/logik_collage.png&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;p&gt;
Der Fehlschluss des maskierten Manns kann wie folgt illustriert werden:

&lt;blockquote&gt;Der maskierte Mann hat eine Bank ausgeraubt. Frau Meier glaubt nicht, dass ihr Nachbar eine Bank ausrauben würde. Deshalb ist der maskierte Mann nicht ihr Nachbar.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;
Hier wird das Gesetz von Leibniz falsch angewandt. Dieses sagt etwas aus über die Identität von Objekten:

&lt;blockquote&gt;&lt;strong&gt;A&lt;/strong&gt; hat die Eigenschaft &lt;strong&gt;X&lt;/strong&gt;. &lt;strong&gt;B&lt;/strong&gt; hat nicht die Eigenschaft &lt;strong&gt;X&lt;/strong&gt;. Also ist &lt;strong&gt;A&lt;/strong&gt; nicht identisch mit &lt;strong&gt;B&lt;/strong&gt;.&lt;/blockquote&gt;&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;

&lt;p&gt;Dies ist eine korrekte Schlussfolgerung: Zwei Dinge sind dann identisch, wenn sie in allen Eigenschaften identisch sind. Eine einzige unterschiedliche Eigenschaft verhindert die Identität.

&lt;p&gt;Die Falschanwendung dieses Gesetzes ist, dass nicht die tatsächlichen Eigenschaften des Nachbarn und des maskierten Manns verglichen werden, sondern was Frau Meier für deren Eigenschaften hält. Das Wissen und der Glaube von Frau Meier sind eigentlich Eigenschaften von Frau Meier, nicht der Subjekte ihres Wissens. Der obige Schluss ist falsch, wenn der Nachbar tatsächlich der Bankräuber ist, und Frau Meier ihren Nachbar nicht so genau kennt wie sie denkt.

&lt;p&gt;In einer präzisen Sprache wie der Mathematik ist das Leibnizsche Gesetz einfach anwendbar (und von dort stammt es auch her). Hier ist eindeutig feststellbar, welche Eigenschaften Objekte haben. Im Alltag, mit natürlichen Sprachen und mit konkreten statt abstrakten Objekten ist das nicht so einfach. Die Bedeutung von Begriffen hängt oft vom Kontext ab, und so wartet der Fehlschluss des maskierten Manns gleich um die Ecke.

&lt;h2&gt;Weiterführende Links&lt;/h2&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;&lt;a href=&#039;https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4t_%28Logik%29&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Leibniz-Gesetz (Wikipedia)&lt;/a&gt;
&lt;/ul&gt;
</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-34-der-maskierte-mann#comments</comments>
  <category>Fehlschlüsse</category>
  <category>Grundlagen</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-33-vorschnelle-verallgemeinerung</link>
  <title>Fehlschluss #33: Vorschnelle Verallgemeinerung</title>
  <pubDate>Mon, 01 Sep 2014 07:34:52 +0200</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>fehlschluss-33-vorschnelle-verallgemeinerung</guid>
  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/8/logik_collage.png&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;p&gt;
Den Fehlschluss der vorschnellen Verallgemeinerung könnte man auch als &amp;bdquo;Stammtischargument&amp;rdquo; bezeichnen:

&lt;blockquote&gt;Ich bin von einem Gebrauchtwagenhändler übers Ohr gehauen worden, und mein Schwippschwager auch. Gebrauchtwagenhändler sind doch alle Gauner!&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Die allgemeine Form ist:

&lt;blockquote&gt;&lt;strong&gt;A&lt;/strong&gt; und &lt;strong&gt;B&lt;/strong&gt; sind Beispiele von &lt;strong&gt;X&lt;/strong&gt;. &lt;strong&gt;A&lt;/strong&gt; und &lt;strong&gt;B&lt;/strong&gt; haben die Eigenschaft &lt;strong&gt;Y&lt;/strong&gt;. Also haben alle &lt;strong&gt;X&lt;/strong&gt; die Eigenschaft &lt;strong&gt;Y&lt;/strong&gt;.&lt;/blockquote&gt;&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;

&lt;p&gt;
Dieser ganz offensichtlich falsche Schluss macht doch auf ein größeres Problem in der Philosophie und vor allem in der Wissenschaft aufmerksam: Man kann noch so viele Beispiele und Indizien finden, die eine allgemeine Regel bestätigen, das beweist die Richtigkeit der Regel dennoch nicht. Induktive Schlussfolgerungen, also das Ableiten von allgemeineren Aussagen aus speziellen Beobachtungen, sind streng genommen nicht zulässig. Nur deduktive Schlüsse, also das Ableiten von speziellen Aussagen aus allgemeinen Aussagen, sind logisch einwandfrei möglich. Dieses von David Hume formulierte &lt;strong&gt;Induktionsproblem&lt;/strong&gt; ist im Grunde bis heute ungelöst.
&lt;p&gt;
Aber was machen nun Wissenschaftler? Sie beobachten und experimentieren, und sie formulieren aus diesen Beobachtungen allgemeine Regeln, z.&amp;nbsp;B. Naturgesetze. Dies sind aber induktive Schlüsse, wie können die so gefundenen Gesetzmäßigkeiten jemals als wahr bewiesen werden? Nur wenn man die Naturgesetze kennen würde, könnte man konkrete Beobachtungen aus diesen ableiten. Aber die Naturgesetze sind ja gerade das, was Wissenschaftler herausfinden wollen.
&lt;p&gt;
Diese Zwickmühle wurde von &lt;strong&gt;Karl Popper&lt;/strong&gt; zumindest abgemildert: Induktive Schlüsse sind zwar nicht letztgültig möglich. Man kann aber aus so formulierten Hypothesen wieder deduktiv auf neue mögliche Beobachtungen und nicht mögliche Beobachtungen schließen. Macht man dann eine solche Beobachtung, die man aufgrund der Hypothese eigentlich nicht machen dürfte, dann ist die Hypothese als falsch bewiesen. Macht man keine Beobachtungen, die der Hypothese widersprechen, dann ist die Hypothese zwar nicht endgültig als richtig bewiesen, aber sie steht zumindest auf festerem Grund.
&lt;p&gt;
Um zum Thema zurückzukommen: Was macht eine Verallgemeinerung zu einer vorschnellen, und wann wäre sie akzeptabel? In Poppers Sinn könnte man die Verallgemeinerung als Hypothese auffassen. Wenn man dann schnell und einfach Beispiele findet, die dieser widersprechen, dann ist sie wohl offensichtlich falsch. Wenn das aber nicht gelingt, und wenn man auch sonst den Eindruck hat, dass zumindest eine Überprüfung stattgefunden hat, dann könnte man die Verallgemeinerung &amp;ndash; zumindest vorläufig &amp;ndash; stehen lassen.

&lt;h2&gt;Weiterführende Links&lt;/h2&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;&lt;a href=&#039;https://de.wikipedia.org/wiki/Induktionsproblem&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Induktionsproblem (Wikipedia)&lt;/a&gt;
&lt;li&gt;&lt;a href=&#039;https://de.wikipedia.org/wiki/Falsifikationismus&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Falsifikationismus (Wikipedia)&lt;/a&gt;
&lt;/ul&gt;</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-33-vorschnelle-verallgemeinerung#comments</comments>
  <category>Fehlschlüsse</category>
  <category>Grundlagen</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/ueber-die-qualifizierte-abwesenheit-von-evidenz</link>
  <title>Über die qualifizierte Abwesenheit von Evidenz</title>
  <pubDate>Fri, 07 Mar 2014 09:26:00 +0100</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>ueber-die-qualifizierte-abwesenheit-von-evidenz</guid>
  <description>&lt;p&gt;Bei Diskussionen zwischen Theisten und kritischen Denkern landet man immer wieder ziemlich schnell bei der Frage, die all den Differenzen zu Grunde liegt: &amp;bdquo;existiert überhaupt ein Gott?&amp;rdquo;

&lt;p&gt;Der kritische Denker wird dann darauf hinweisen, dass es seit tausenden Jahren trotz aller &amp;bdquo;Gottesbeweise&amp;rdquo; (die ohne Ausnahme scheiterten) nicht gelungen ist, die Existenz eines Gottes (oder sonstiger übernatürlicher Entitäten) nachzuweisen. Die Behauptung der Existenz muss demzufolge als widerlegt angesehen werden.

&lt;p&gt;Der Theist wird dann argumentieren:

&lt;blockquote&gt;Ha! Abwesenheit von Evidenz ist aber nicht gleich Evidenz von Abwesenheit!&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Der Theist hat im Grundsatz Recht: Von einem Fehlen von Evidenz für eine Sache kann man nicht zwingend auf eine Nichtexistenz einer Sache schließen. Der Theist glaubt, er hätte den kritischen Denker mit seinen eigenen Waffen geschlagen: &lt;em&gt;&amp;bdquo;Du hast mit einem falschen Umkehrschluss argumentiert. Deine eigene Logik, auf die du so vertraust, hat dich widerlegt!&amp;rdquo;&lt;/em&gt;&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;

&lt;p&gt;Im Detail muss man diesem Argument in zwei Punkten widersprechen:

&lt;p&gt;Zum Ersten beweist eine Abwesenheit von Evidenz zwar nicht zwingend die Nichtexistenz der Sache, aber erst recht nicht die &lt;em&gt;Existenz&lt;/em&gt; der Sache. Der Theist mag die Position des kritischen Denkers minimal geschwächt haben, aber seine eigene Position hat er auf keinen Fall gestärkt.

&lt;p&gt;Zum Zweiten argumentiert der kritische Denker selten mit absoluten Positionen, auch wenn die (verkürzte) Sprache das suggerieren mag. Die empirischen Wissenschaften können und wollen eine Behauptung nie zu 100% beweisen oder widerlegen. Empirisch kann man sich der &amp;bdquo;Wahrheit&amp;rdquo; immer nur annähern, aber sie nie erreichen. Man kommt zu Erklärungen, die Phänomene mit hoher und höchster Wahrscheinlichkeit richtig beschreiben, aber den letzten Rest an Unsicherheit kann man nie beseitigen. Die Frage von Abwesenheit von Evidenz versus Evidenz von Abwesenheit ist also in der realen Welt ebenfalls kein Absolutum, sondern eine Frage des Grades.

&lt;p&gt;In diesem Fall muss also beim Hinweis auf die Abwesenheit von Evidenz die Zusatzfrage gestellt werden, wie intensiv man denn nach Evidenz gesucht hat. Je länger und intensiver man nach Bestätigung oder Widerlegung sucht, und je öfter (oder im Grunde immer) sich die Hinweise auf eine Existenz beim genauen Hinsehen als Illusion herausgestellt haben, desto deutlicher schwingt das Pendel auf die Seite der Nichtexistenz. Es gibt also einen qualitativen Unterschied zwischen &amp;bdquo;wir haben nichts gefunden&amp;rdquo; und &amp;bdquo;wir haben jahrelang intensiv gesucht und immer noch nichts gefunden&amp;rdquo;. Wenn intensive Versuche angestellt werden, die eigentlich die Existenz einer Sache nachweisen müssten, aber trotzdem nichts gefunden wird, dann liegt eine &lt;strong&gt;qualifizierte Abwesenheit von Evidenz&lt;/strong&gt; vor.

&lt;p&gt;Eine Analogie kann den Unterschied noch deutlicher machen:

&lt;p&gt;Angenommen, ich vermisse meinen Autoschlüssel. Ich vermute, dass er sich nicht im Haus befindet. Ich suche aber trotzdem die üblichen Stellen ab, wo er liegen könnte. Dann drehe ich noch alle Jacken- und Hosentaschen um. Er liegt auch nicht unter den Papierstapeln auf dem Schreibtisch. Ich schaue in sämtliche Schubladen, dann unter alle Sofas, Stühle und Schränke. Ich rücke die Schränke nach vorne. Vielleicht hat die Katze den Schlüssel weggetragen, und auch die weniger zugänglichen Stellen werden abgesucht. Auch absurde Plätze wie das Innere des Kühlschranks werden nicht ausgelassen. Dann erweitere ich meine natürlichen Sinne und durchleuchte die Wände mit Ultraschall und Röntgen, schließlich könnte der Schlüssel auch durch einen wahnsinnig unwahrscheinlichen Zufall dorthin verschwunden sein. Dann kommen noch alle Nachbarn vorbei, und alle suchen 2000 Jahre lang. Aber alle Mühe ist vergeblich, der Autoschlüssel bleibt unauffindbar.

&lt;p&gt;An dieser Stelle würde jeder sagen: &amp;bdquo;Der Autoschlüssel ist nicht im Haus.&amp;rdquo; Der obige Theist müsste aber in letzter Konsequenz sagen: &amp;bdquo;Ich habe den Schlüssel nicht gefunden. Aber Abwesenheit von Evidenz ist nicht gleich Evidenz von Abwesenheit. Deshalb bleibe ich bei meiner Position, dass der Schlüssel im Haus ist.&amp;rdquo;

&lt;p&gt;Diese Diskussion findet so ähnlich auch auch bei den Themen &amp;bdquo;Geister&amp;rdquo;, &amp;bdquo;UFOs&amp;rdquo;, &amp;bdquo;Bigfoot&amp;rdquo;, &amp;bdquo;Alternativmedizin&amp;rdquo;, usw. statt. Wenn die 100ste niederqualitative Studie wieder keine Schlüsse zulässt, und die 100ste hochqualitative Studie wieder keine Wirksamkeit von z.&amp;thinsp;B. Homöopathie feststellt, dann dauert es nicht lange bis zum Argument

&lt;blockquote&gt;Diese Studien mögen keine Wirksamkeit belegt haben. Aber das heißt ja nicht, dass Homöopathie generell unwirksam ist. Weitere Forschung ist notwendig.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;oder 

&lt;blockquote&gt;Auch diese Himmelserscheinung hat sich als rein natürliches Phänomen herausgestellt. Aber das heißt nicht, dass die Erde nicht von Außerirdischen besucht wird. Sie sind unter uns!&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Offenheit für alternative Erklärungen heißt nicht nur, bereit zu sein, seine Meinung zu ändern. Es heißt vor allem, die eigene Meinung der Nachweislage anzupassen, egal ob diese den bisherigen Ansichten widerspricht oder sie auch bestätigt. Wer eine überwältigende Mehrheit von aussagekräftigen Nullergebnissen ignoriert, der ist gerade nicht offen, sondern ein Opfer von selektiver Wahrnehmung und blindem Wunschdenken.</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/ueber-die-qualifizierte-abwesenheit-von-evidenz#comments</comments>
  <category>Alternativmedizin</category>
  <category>Grundlagen</category>
  <category>Religion</category>
  <category>Skeptizismus</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-32-der-nirvana-fehlschluss</link>
  <title>Fehlschluss #32: Der Nirvana-Fehlschluss</title>
  <pubDate>Mon, 03 Feb 2014 08:10:03 +0100</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>fehlschluss-32-der-nirvana-fehlschluss</guid>
  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/8/logik_collage.png&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;p&gt;
Der Nirvana-Fehlschluss ist ein spezielle Form des falschen Dilemmas. Dabei werden zwei Möglichkeiten miteinander verglichen, z.&amp;thinsp;B. zwei Lösungen eines Problems. Die eine Möglichkeit ist realistisch, aber nicht perfekt, die zweite Möglichkeit ist perfekt, aber unrealistisch bis unmöglich. Daraufhin wird die realistische Möglichkeit abgelehnt, weil sie nicht perfekt ist. Es entsteht also eine scheinbar zwingende Entscheidung zwischen dem Nichtstun und der perfekten Lösung, und da die perfekte Lösung nicht machbar ist, wird das Nichtstun bevorzugt. Die Optionen dazwischen werden nicht in Betracht gezogen.&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;
&lt;p&gt;
Beispiele:

&lt;blockquote&gt;Impfungen sind nicht zu 100% wirksam, deswegen sind sie nutzlos.&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;
Keine medizinische Maßnahme ist zu 100% wirksam. Bei Impfungen ist ein 100%-iger Schutz auch gar nicht das Ziel. Auch eine Reduzierung der Fälle und eine Reduzierung der Schwere der Erkrankung wäre ein Erfolg. Und speziell bei Impfungen reicht auch schon eine geringere Impfquote und geringere Wirksamkeit beim Individuum, um eine Krankheit, bezogen auf die gesamte Population, zu 100% verschwinden zu lassen.

&lt;blockquote&gt;Neue Gesetze zur Regulierung der Banken werden Auswüchse nicht vollständig verhindern können. Deshalb sollten sie nicht verabschiedet werden.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Gesetze werden unerwünschtes Verhalten nie komplett verhindern können. Das ist auch nicht das Ziel. Ziel ist die &lt;em&gt;Reduzierung&lt;/em&gt; von unerwünschtem Verhalten.</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-32-der-nirvana-fehlschluss#comments</comments>
  <category>Fehlschlüsse</category>
  <category>Grundlagen</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-31-pars-pro-toto</link>
  <title>Fehlschluss #31: Pars pro toto</title>
  <pubDate>Sat, 25 Jan 2014 09:37:30 +0100</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>fehlschluss-31-pars-pro-toto</guid>
  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/8/logik_collage.png&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;p&gt;
Der Fehlschluss &lt;em&gt;Pars pro toto&lt;/em&gt; ist ein Spezialfall des Fehlschlusses der &lt;a href=&quot;/entry/fehlschluss-17-falsche-aequivalenz&quot;&gt;falschen Äquivalenz&lt;/a&gt;. Hier werden die Eigenschaften eines Teiles genommen und vorschnell auf das Ganze übertragen.

&lt;blockquote&gt;&lt;strong&gt;A&lt;/strong&gt; hat die Eigenschaft &lt;strong&gt;X&lt;/strong&gt;. &lt;strong&gt;B&lt;/strong&gt; besteht aus &lt;strong&gt;A&lt;/strong&gt;. Also hat &lt;strong&gt;B&lt;/strong&gt; auch die Eigenschaft &lt;strong&gt;X&lt;/strong&gt;.&lt;/blockquote&gt;
&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;&lt;p&gt;
Es ist klar, dass oft einiges, was auf einen Teil zutrifft, auch für das Ganze zutrifft. Das ist aber nicht automatisch immer der Fall, denn der Teil ist immer noch etwas anderes als das Ganze. Ohne weitere Begründungen ist das Argument &lt;em&gt;Pars pro toto&lt;/em&gt; ein Fehlschluss.
&lt;p&gt;
Beispiel:
&lt;blockquote&gt;Der Zerfall eines radioaktiven Atoms ist nicht vorhersagbar. Radioaktive Materie besteht aus radioaktiven Atomen. Deshalb ist der Zerfall radioaktiver Materie nicht vorhersagbar.&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;
Obwohl der Zerfall einzelner Atome tatsächlich nicht vorhersagbar ist, gilt dies nicht für eine größere Ansammlung dieser Atome. Diese Ansammlung zerfällt vorhersagbar gemäß einer bestimmten Halbwertszeit.
&lt;p&gt;
Der Pars-pro-toto-Fehlschluss kommt auch z.&amp;thinsp;B. in einer Version des kosmologischen Gottesbeweises vor:
&lt;blockquote&gt;&lt;ol&gt;
&lt;li&gt;Jeder Teil des Universums hängt von einem anderen Teil ab.
&lt;li&gt;Wenn jeder Teil des Universums abhängig ist, ist auch das gesamte Universum abhängig.
&lt;li&gt;Deshalb ist die Existenz des Universums abhängig von einem unabhängigen Wesen.
&lt;/ol&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;
Hier ist der zweite Schritt des Arguments ein Pars-pro-toto-Fehlschluss (und Schritt 3 eine unbegründete Ausnahme).</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-31-pars-pro-toto#comments</comments>
  <category>Fehlschlüsse</category>
  <category>Grundlagen</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/wie-man-eine-homoeopathie-studie-veroeffentlicht-2</link>
  <title>Wie man eine Homöopathie-Studie veröffentlicht (2)</title>
  <pubDate>Thu, 26 Sep 2013 19:33:45 +0200</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>wie-man-eine-homoeopathie-studie-veroeffentlicht-2</guid>
  <description>&lt;p&gt;
&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/8/wassertropfen.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;


Ein klassisches Merkmal von Pseudowissenschaften ist ja, dass ihre Hypothesen so formuliert werden, dass sie kaum oder gar nicht zu widerlegen sind. Findet man ein Indiz, das der Hypothese widerspricht, werden Indiz und Hypothese so lange uminterpretiert, bis die Hypothese wieder bestätigt zu werden scheint. Ist eine Hypothese aber aus Prinzip nicht falsifizierbar, dann ist sie keine wissenschaftliche, sondern eher ein Glaubenssatz.
&lt;p&gt;
Reichlich Beispiele für derlei findet man in Studien zur Homöopathie, wie die allseits beliebten Wachstumsversuche mit Pflanzen.&lt;sup&gt;&lt;a href=&#039;#xref1&#039;&gt;[1]&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Da hier kein Mensch das Versuchsobjekt ist, glauben die Homöopathen, dass dadurch Plazeboeffekte ausgeschlossen seien und sie die Wirksamkeit der Homöopathie endgültig beweisen können. Dass wegen der fehlenden, ausführlichen Erstanamnese, die von klassischen Homöopathen unbedingt gefordert wird, eigentlich keine Homöopathie getestet wird, scheint nicht zu stören.

&lt;p&gt;Diese Studie ist der Versuch einer Reproduktion eines vorherigen Experiments. Darin wurde Weizen nicht-tödlich mit Arsen vergiftet. Dann wurden die verbliebenen Sprossen entweder mit homöopathisch verdünntem Arsen (also &lt;strong&gt;Wasser&lt;/strong&gt;), mit homöopathisch verdünntem Wasser (also &lt;strong&gt;Wasser&lt;/strong&gt;) oder &amp;bdquo;unpotenziertem&amp;rdquo; Wasser (also &lt;strong&gt;Wasser&lt;/strong&gt;) weitergezogen. Nach 7 Tagen wurden die Sprossen vermessen. Im ursprünglichen Experiment wurde ein erhöhtes Wachstum bei der Versuchsgruppe festgestellt, die mit dem homöopathischen Arsen gewässert wurde. Dies schien die Wirkprinzipien der Homöopathie zu bestätigen.
&lt;p&gt;
Aber was war das Ergebnis der Reproduktion?&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;

&lt;blockquote&gt;The result of this replication trial is a reversal of the original study, since Arsenicum album 45x inhibited wheat shoot growth instead of enhancing it.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;
Die ursprünglichen Ergebnisse haben sich also nicht bestätigt. Was auch immer die Wachstumsunterschiede bewirkt hat, es war nicht das Homöopathikum. Thema erledigt.
&lt;p&gt;
Aber weit gefehlt, schließlich schreiben hier ja &lt;a href=&quot;/entry/iq-und-die-homoeopathie&quot;&gt;alte Bekannte&lt;/a&gt; in einem Magazin für Alternativmedizin. Der Spin folgt also auf dem Fuß:

&lt;blockquote&gt;Nevertheless, high homeopathic potencies may induce statistically significant effects in biological systems. However, the magnitude and direction of these effects seem to depend on yet unknown parameters.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;
Homöopathie ist also wirksam, man weiß nur nicht wie stark und in welcher Richtung.
&lt;img src=&quot;/blogimages/8/maennle03.gif&quot;&gt;
&lt;p&gt;
Hier ist also wieder die bewährte Strategie am Start:
&lt;ol&gt;
&lt;li&gt;Hypothese aufstellen,
&lt;li&gt;Versuch durchführen,
&lt;li&gt;Ergebnisse dokumentieren,
&lt;li&gt;Ergebnisse ignorieren,
&lt;li&gt;Homöopathie als wirksam deklarieren.
&lt;/ol&gt;

&lt;hr&gt;
&lt;ol class=references&gt;
&lt;li&gt;&lt;a name=&#039;xref1&#039;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16230858&quot; class=external&gt;Binder M, Baumgartner S, Thurneysen A.: &lt;em&gt;The effects of a 45x potency of arsenicum album on wheat seedling growth &amp;ndash; a reproduction trial.&lt;/em&gt;; Forsch Komplementarmed Klass Naturheilkd. 2005 Oct;12(5):284-91. Epub 2005 Oct 13.&lt;/a&gt;&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/wie-man-eine-homoeopathie-studie-veroeffentlicht-2#comments</comments>
  <category>Alternativmedizin</category>
  <category>Homöopathie</category>
  <category>Pseudowissenschaft</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-30-der-spieler-fehlschluss</link>
  <title>Fehlschluss #30: Der Spieler-Fehlschluss</title>
  <pubDate>Fri, 26 Jul 2013 12:36:04 +0200</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>fehlschluss-30-der-spieler-fehlschluss</guid>
  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/8/logik_collage.png&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;p&gt;
Dieser Fehlschluss hat eine Ähnlichkeit zum &lt;a href=&quot;/entry/fehlschluss-22-der-lotteriefehlschluss&quot;&gt;Lotterie-Fehlschluss&lt;/a&gt;, denn auch hier geht es um die Fehleinschätzung von Wahrscheinlichkeiten.
&lt;p&gt;
Beispiele:
&lt;blockquote&gt;Es kam beim Roulette jetzt schon fünfmal hintereinander &amp;bdquo;ungerade&amp;rdquo;, jetzt muss einfach mal &amp;bdquo;gerade&amp;rdquo; kommen, deshalb setze ich jetzt darauf.&lt;/blockquote&gt;
&lt;blockquote&gt;Ich habe gerade schon eine 6 gewürfelt, die kommt bestimmt nicht gleich nochmal, deswegen setze ich auf eine andere Zahl.&lt;/blockquote&gt;
&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;
&lt;p&gt;
Der Fehlschluss ist hier, dass die Ereignisse (Roulette-Spiel, Würfelwurf) voneinander unabhängig sind, aber so gehandelt wird, als würde das nächste Ergebnis durch vorherige Ergebnisse beeinflusst werden. Beim Würfeln ist aber die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Zahl zu würfeln, immer 1/6, egal wie oft vorher die gleiche Zahl gewürfelt wurde. Ein Würfelwurf beeinflusst das Ergebnis des nächsten Wurfs nicht.
&lt;p&gt;
Ebenso ist zwar die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Zahl zu würfeln, immer gleich. Aber das heißt nicht, dass alle Zahlen in der gleichen Häufigkeit gewürfelt werden. Das wäre nur der Fall, wenn man unendlich oft würfeln würde. Man würfelt aber nur ein paarmal, und dann kann eine Zahl durchaus häufiger erscheinen als eine andere. In der Realität sind Zufallsereignisse eben nicht gleichmäßig verteilt, sondern auch mal &amp;bdquo;klumpig&amp;rdquo;.
&lt;p&gt;
Eine ganze Reihe von Spielstrategien haben keine solide mathematische Basis, weil sie entweder unabhängige Ereignisse so behandeln als wären sie voneinander abhängig, oder weil sie darauf setzen, dass sich eine stochastische Gleichverteilung auch in der Realität bei nur wenigen Versuchen einstellt.
&lt;p&gt;
Abzugrenzen sind die Situationen, in denen durch die Spielregeln zwei Ereignisse tatsächlich voneinander abhängen. Bei einer Lottoziehung wird z.&amp;nbsp;B. die gezogene Kugel aus dem Ziehungsgerät entnommen, kann also bei der gleichen Ziehung nicht nochmal gezogen werden. Durch das Ziehen einer Zahl verändern sich die Ziehungswahrscheinlichkeiten der verbleibenden Zahlen. Die kompletten Ziehungen sind jedoch wieder unabhängig. Das heißt, dass bei der nächsten Ziehung die gleichen Zahlen gezogen werden wie bei der vorherigen, ist genauso wahrscheinlich wie jede andere Zahlenkombination. Eine bestimmte Kombination ist weder &amp;bdquo;verbraucht&amp;rdquo; noch &amp;bdquo;überfällig&amp;rdquo;. Es spielt also keine Rolle, ob man nach einer Lottoziehung die Zahlen wechselt oder nicht. Auch die Werbeaussage von Tippgemeinschaften, man habe besonders &amp;bdquo;gute&amp;rdquo; Kombinationen gewählt, oder man habe die bisherigen Ziehungen besonders intensiv analysiert, ist völliger Nonsens. Es gibt keine guten oder schlechten Kombinationen, alle sind gleich wahrscheinlich.</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-30-der-spieler-fehlschluss#comments</comments>
  <category>Fehlschlüsse</category>
  <category>Grundlagen</category>
</item>

<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/zdfzoom-die-desinformation-geht-weiter</link>
  <title>ZDFzoom, die Desinformation geht weiter</title>
  <pubDate>Sat, 18 May 2013 20:12:24 +0200</pubDate>
  <guid isPermaLink='false'>zdfzoom-die-desinformation-geht-weiter</guid>
  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/8/zdfzoom_obs.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;


&lt;p&gt;Schon im März ging das Aufregerthema &lt;strong&gt;&amp;bdquo;geplante Obsoleszenz&amp;rdquo;&lt;/strong&gt; durch die Presse, also das angeblich geplante schnelle Kaputtgehen von Geräten aller Art kurz nach Ablauf der Gewährleistungszeit. Jetzt hat ZDFzoom zu diesem Thema nochmal nachgelegt. Und wie fast nicht anders zu erwarten, mit dem gleichen dürftigen Inhalt.
&lt;p&gt;
Ob Fernseher, Waschmaschinen, Telefone, Autos, angeblich geht alles immer schneller kaputt. Und weil das geplanterweise immer kurz nach der Gewährleistungszeit passiert, bleibt den Kunden nichts anderes übrig, als einen Ersatz neu zu kaufen. Aber ist das wirklich so?&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt; Nach dem Beispiel mit der kaputten Waschmaschine gibt ZDFzoom sich selbst die Antwort:

&lt;blockquote&gt;Statistiken zur durchschnittlichen Lebensdauer von Waschmaschinen gibt es nicht.&lt;/blockquote&gt;

Wieder einmal tritt &lt;strong&gt;Stefan Schridde&lt;/strong&gt; als Kronzeuge auf, Betreiber der Webseite &amp;bdquo;Murks? Nein danke!&amp;rdquo;, auf der Leute ihre Erfahrungen mit Produktmängeln diskutieren. Leider kann auch dieses Portal kein Nachweis für das Phänomen sein, denn derartige Erhebungen leiden unter einem massiven &lt;a href=&quot;/entry/fehlschluss-21-der-selektionsfehler&quot;&gt;Selektionsfehler&lt;/a&gt;: Wer negative Erfahrungen macht, wird viel eher seiner Enttäuschung online Luft machen. Wer zufrieden ist, schreibt dies nicht ständig in Verbraucherportale. Umfragen mit Selbstselektion sind keine repräsentativen Statistiken.
&lt;p&gt;
Auch Schriddes Paradebeispiele sind nicht plausibel. Die elektrische Zahnbürste mit gekapseltem Innenleben dürfte wohl nicht deshalb so gebaut sein, damit sie nicht reparierbar ist. Die Kapselung ist wohl eher nötig, damit die Zahnbürste absolut wasserdicht ist, damit sie z.&amp;thinsp;B. beim Fall ins gefüllte Waschbecken eben &lt;em&gt;nicht&lt;/em&gt; sofort kaputtgeht, und damit sie auch sonst einfach unter fließendem Wasser gereinigt werden kann.
&lt;p&gt;
Schridde liefert auch das Zitat, das die Sendung im Ganzen charakterisiert. Auf die Frage, ob er denn Beweise dafür hat, dass die Hersteller den Defekt vorsätzlich einplanen, sagt er wörtlich:

&lt;blockquote&gt;Wir brauchen das nicht beweisen.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;
Nun ja, er tut es auch nicht. Auch im Gutachten für Bündnis 90/Grüne (die Sendung nennt das &amp;bdquo;Studie&amp;rdquo;), an dem er &lt;ins&gt;als&lt;/ins&gt; einer der Autoren &lt;ins&gt;beteiligt&lt;/ins&gt; ist, weist er im Grunde nichts nach. Darin werden ein paar schöne Geschichten mit viel Spekulation durchmischt, und wenn es dann spannend wird, gibt es keine konkreten Daten. Als Belege dienen Schridde auffällig oft Verweise auf seine eigene Webseite. Insbesondere zur Behauptung des Vorsatzes gibt das Gutachten sogar selbst zu, dass dieser nicht nachgewiesen ist.
&lt;p&gt;
ZDFzoom stellt sich selbst (und den Interviewpartnern) auch nie die wirklich kritischen Fragen: Ist so etwas wie &amp;bdquo;geplante Obsoleszenz&amp;rdquo; überhaupt plausibel? Wenn ein Gerät vom Hersteller X schnell kaputt geht oder oft teuer repariert werden muss, ist es dann wahrscheinlich, dass der Kunde den Ersatz beim gleichen Hersteller X kaufen wird? Wenn nicht, was hätte dann Hersteller X davon, das Gerät absichtlich schnell kaputt gehen zu lassen? Treibt das die Kunden nicht eher zur Konkurrenz? Und ist es technisch überhaupt machbar, ein Produkt so zu konstruieren, dass es möglichst bald kaputt geht, aber möglichst nicht vor dem Ablauf der Gewährleistung?
&lt;p&gt;
Wenn man mal voraussetzt, dass tatsächlich die Produkte schneller kaputtgehen als früher, gibt es dann nicht plausiblere Gründe dafür, z.&amp;thinsp;B. der Preisdruck auf dem Markt in Kombination mit dem Unwillen der Kunden, für hohe Qualität und Langlebigkeit auch den entsprechend höheren Preis zu bezahlen?
&lt;p&gt;
Was bleibt, sind also ein paar dürre Anekdoten, die die Grundbehauptung der Sendung in keiner Weise stützen. Nicht nur wird nicht nachgewiesen, dass das Phänomen (&amp;bdquo;Produkte gehen immer schneller kaputt&amp;rdquo;) überhaupt existiert, sondern auch für die Zusatzbehauptung, dass dies der Vorsatz der Hersteller ist, fehlt jeglicher Beleg. Das ist &lt;strong&gt;Bullshit-Journalismus&lt;/strong&gt; in Reinkultur: Eine Behauptung wird einfach mal so in den Raum gestellt, ob sie wahr ist, das wird zur Nebensache. Man fragt sich, wofür genau diese Sendung eigentlich &lt;a href=&#039;http://www.zdf.de/ZDFzoom/Vielfach-ausgezeichnet-25098588.html&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;ihre Auszeichnungen&lt;/a&gt; bekommen hat. Für eine vorbildliche Einhaltung des &lt;a href=&#039;http://de.wikipedia.org/wiki/Pressekodex&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Pressekodex&lt;/a&gt; wohl nicht.

&lt;hr&gt;
Weitere Links:
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;Marcus Anhäuser: &lt;a href=&#039;http://scienceblogs.de/plazeboalarm/index.php/verbraucherjournalismus-der-nervt-geplantes-kaputtgehen/&#039; class=external rel=&#039;external&#039;&gt;Verbraucherjournalismus, der nervt: Geplantes Kaputtgehen&lt;/a&gt; (Plazeboalarm)
&lt;/ul&gt;</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/zdfzoom-die-desinformation-geht-weiter#comments</comments>
  <category>Journalismus</category>
  <category>TV</category>
  <category>ZDF</category>
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<item>
  <link>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-29-das-argument-der-schiefen-ebene</link>
  <title>Fehlschluss #29: Das Argument der schiefen Ebene, Dammbruchargument</title>
  <pubDate>Tue, 26 Mar 2013 07:49:55 +0100</pubDate>
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  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;/blogimages/8/logik_collage.png&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;p&gt;
Das &lt;em&gt;Argument der schiefen Ebene&lt;/em&gt; (&lt;em&gt;Slippery Slope&lt;/em&gt;) scheint momentan Hochkonjunktur zu haben. Bei der aktuellen Diskussion um die Homoehe hört man nicht selten folgendes Argument:

&lt;blockquote&gt;Wenn Schwule heiraten dürfen, dann müssen wir auch Leute ihre Haustiere heiraten lassen, oder ihr Auto, und dann bricht die Gesellschaft zusammen.&lt;/blockquote&gt;

Oder allgemeiner:
&lt;blockquote&gt;Wenn &lt;strong&gt;A&lt;/strong&gt;, dann auch automatisch &lt;strong&gt;B&lt;/strong&gt;, und dann &lt;strong&gt;C&lt;/strong&gt;, und dann &lt;strong&gt;D&lt;/strong&gt;, usw., und dann sind wir da, wo wir gar nicht hinwollen.&lt;/blockquote&gt;&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;
&lt;p&gt;
Was oberflächlich oft schlüssig klingt, stellt sich bei genauerer Betrachtung dann als Fehlschluss heraus. Ein &lt;strong&gt;A&lt;/strong&gt; führt eben nicht immer automatisch zu &lt;strong&gt;B&lt;/strong&gt;, usw., und man kommt gar nicht am unteren Ende der schiefen Ebene an (oder anders gesagt, die Ebene ist gar nicht schief).
&lt;p&gt;
Um beim Beispiel mit der Homoehe zu bleiben: Ein Aspekt der Ehe ist ja, dass die Ehepartner die Ehe bewusst und freiwillig eingehen und zu diesem Zweck eine Willensbekundung vor dem Staat abgeben. Tiere oder Autos können aber prinzipiell keinen Willen bekunden. Dies wird sich auch nach der Einführung einer Homoehe nicht ändern.</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-29-das-argument-der-schiefen-ebene#comments</comments>
  <category>Fehlschlüsse</category>
  <category>Grundlagen</category>
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  <link>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-28-tu-quoque</link>
  <title>Fehlschluss #28: Tu quoque</title>
  <pubDate>Fri, 15 Feb 2013 07:41:24 +0100</pubDate>
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  <description>&lt;table class=picframe-right&gt;
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&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;p&gt;
Schon wieder ein Fehlschluss mit einem lateinischen Namen! Das deutet darauf hin, dass auch dieser Fehlschluss nichts neues in der Welt ist. &lt;strong&gt;&amp;bdquo;Tu quoque&amp;rdquo;&lt;/strong&gt; bedeutet &lt;strong&gt;&amp;bdquo;auch Du&amp;rdquo;&lt;/strong&gt;. Hier wird ein Argument als falsch bezeichnet, weil der Argumentierende sich nicht an eine Norm hält, die man aus dem Argument ableiten kann. Das lässt sich anschaulicher mit einem Beispiel darstellen:

&lt;blockquote&gt;Rauchen kann doch nicht schädlich sein, wie die meisten Ärzte behaupten. Schließlich gibt es auch viele Ärzte, die selbst rauchen.&lt;/blockquote&gt;
&lt;a name=&quot;summary&quot;&gt;&lt;/a&gt;
Die Kernaussage des ursprünglichen Arguments ist &amp;bdquo;Rauchen schadet der Gesundheit&amp;rdquo;. Daraus wird eine Norm abgeleitet, nämlich &amp;bdquo;Du sollst nicht rauchen&amp;rdquo;. Wenn sich der Argumentierende nun selbst nicht an diese Norm hält, dann mag das zu kritisieren sein. Der Argumentierende verliert vielleicht seine Vorbildfunktion oder moralische Autorität in dieser Frage. Was sich jedoch nicht ändert, ist der Wahrheitsgehalt des ursprünglichen Arguments. Dieser hängt nämlich nicht vom Verhalten des Argumentierenden ab, sondern von anderen Prämissen und Indizien.
&lt;p&gt;
In der alltäglichen Form wird mit einem Tu-quoque-Argument eine Kritik pauschal abgelehnt, weil der Kritisierende selbst ein kritikwürdiges Verhalten zeigt. Ein Sachargument oder dessen Wahrheitsgehalt wird dabei nicht explizit erwähnt:
&lt;blockquote&gt;Sag mir nicht, dass ich nicht rauchen soll, Du rauchst ja selbst!&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;
Das eigene Fehlverhalten wird also mit dem Fehlverhalten anderer gerechtfertigt.
&lt;p&gt;
Ein Tu-quoque-Argument richtet sich nicht gegen ein Sachargument des Gegenübers, sondern gegen das Gegenüber selbst, ist also eine Form des &lt;a href=&quot;/entry/fehlschluss-8-argumentum-ad-hominem&quot;&gt;&lt;em&gt;Argumentum ad hominem&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;.</description>
 <comments>https://ratioblog.de/entry/fehlschluss-28-tu-quoque#comments</comments>
  <category>Fehlschlüsse</category>
  <category>Grundlagen</category>
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